Wie teuer darf eine Hochzeit sein?

Zunächst die freudige Nachricht: Wir werden heiraten! Das hat sich in den letzten Wochen so ergeben. Ich bin übrigens dankbar, dass es kein romantischer Antrag wurde, dem ich dann zitternd zustimmen musste. Wir haben in einem gemeinsamen Prozess und in vielen liebevollen Gesprächen überlegt, ob wir bis an unser Lebensende zusammensein wollen. Und am Ende stand für uns beide ein ziemlich logisches, aber dennoch furchtbar aufgeregtes „JA“!

Das nur so zur Einführung, in diesem Blog geht es ja ums Geld. Und puh, heiraten kann ja echt teuer werden. Nachdem ich den ersten Freundinnen und auch Verwandten die freudige Nachricht verkündet habe, kam sofort die Frage, wie wir heiraten wollen. Natürlich hatte ich sie mir auch schon im Vorfeld gestellt. Zunächst war mein Bild auch eher klassisch: Natürlich in Weiß, an einer coolen Location, mit allen unseren Freunden und Verwandten. So wie es alle machen, oder?

Dann haben wir angefangen, das Ganze mal etwas genauer zu kalkulieren. Ich gebe zu, was für ein unromantisches Wort: zu kalkulieren. Aber nachdem wir nur mal grob die Kosten überschlagen haben, war ich schon ein bisschen platt. Unter 20.000 € keine Chance. Eher mehr. Robert war da ein bisschen gelassener. Er meinte, das würden wir mit seinen Rücklagen schon hinbekommen, wenn es mir wichtig wäre. Und das ist jetzt die entscheidende Frage:

Ist mir eine tolle, große Hochzeit wirklich wichtig?

Dafür spricht natürlich, dass man dieses Fest nur einmal im Leben feiert – zumindest planen wir das so. Dafür spricht auch mein kleines romantisches Ich, also so das kleine Mädchen, was einfach mal in einem pompösen weißen Kleid an den Traualtar geführt werden will. (Obwohl wir nur standesamtlich heiraten wollen – da ist also eh ein Bruch drin). Wenn wir alle unsere Freunde und alle Verwandten einladen, wird die Hochzeit in jedem Fall groß (und teuer), es wäre aber schon schön, alle dabeizuhaben.

Das sind so die Argumente, die für eine schöne, große Hochzeit sprechen. Dagegen fallen mir als erstes natürlich die Kosten ein. Ich finde die Vorstellung antiquiert, dass meine Eltern für diese Kosten aufkommen sollen. Sie würden das auch gar nicht können und von daher ist dies keine Option. Selbst wenn sie es könnten, würde ich es nur tun, wenn sie das von sich aus anbieten würden. Und selbst dann wäre ich mir nicht sicher, ob es Sinn macht. Denn egal ob es jetzt das Geld meines Zukünftigen oder das Geld meiner Eltern ist – man könnte es auch für andere Dinge ausgeben. Dagegen spricht bei einem großen Fest auch, dass ich garantiert angestrengt sein werde. Ich war vor einem Monat bei einer Freundin zu einer großen Hochzeit geladen. Ich hatte das Gefühl – und die Braut hat mir das später auch bestätigt – das es so viele Verpflichtungen für das Brautpaar gab, dass diese gar nicht zu einem entspannten Feiern mit Freunden finden konnten. Ständig gab es noch ein Spiel, eine Darbietung, eine Rede. Dazu eine feste Sitzordnung, Familienfotos machen und Geschenke entgegennehmen. Klar, für mich war dies ein schönes Fest. Es war glamourös, es gab gutes Essen und ich hatte auch genug Zeit, mich mit alten Freunden zu unterhalten und ein paar neue nette Menschen kennenzulernen. Mit dem Brautpaar habe ich nur ein paar Worte gewechselt, sie hatten an dem Tag sichtbar keine Zeit für mich. Für meine Bedürfnisse war es ein schönes Fest.

Da ist tatsächlich noch ein Knackpunkt: Würde ich kleiner heiraten, würde ich diese Freundin nicht einladen können. Da fühle ich mich jetzt wie beim Kindergeburtstag. Man muss immer die Anderen einladen, bei denen man auch eingeladen war. Kann ich mir das erlauben, eine kleinere Hochzeit zu feiern, bei der sie nicht geladen ist? Das fühlt sich ziemlich blöd an.

Alternativ könnten wir auch im Jugendherbergsstyle heiraten und alle einladen. Also jeder bringt was zu Essen mit und die Location ist eher so Jugendherberge halt. Aber das geht irgendwie gar nicht. Ich weiß, dass das die Einen oder Anderen machen und dafür spricht, dass man mit kleinem Budget eine große Gruppe von Freunden und Verwandten bewirten kann. Dafür spricht natürlich auch, dass auch die Unterkunft für alle billiger wird (Klassischerweise zahlen das ja meistens die Gäste selber). Dennoch ist es mir wichtig, unserer Hochzeit einen festlichen Rahmen zu geben. Immerhin ist und soll es ja schon was besonderes sein.

Bleibt in der Summe die Gästeliste und die Ansprüche zu kürzen. Wir haben natürlich schon aufgeschrieben, wen wir alles einladen wollen. Dabei haben wir dann mal eine Maxi-Variante entwickelt, eine Midi und eine Mini. Bei der Mini-Hochzeit kommen wir nur auf 26 Gäste. Das sind im wesentlichen unsere Eltern, unsere Geschwister mit Familie und ein paar sehr enge Freunde.

Unsere Maxi-Variante, die natürlich toll wäre, hat 120 Menschen auf der Liste. Ja, ich mag sie alle gerne und ja, ich fände es toll, wenn mich alle bewundern würden, während ich mein Ja-Wort sage. Wenn mich alle danach beglückwünschen würden. Wenn wir ein richtig großes tolles Fest feiern würden. Es gibt in mir eine Stimme, die sich geradezu nach so einem Fest sehnt. Als Höhepunkt meines bisherigen Lebens!

Aber – oh, da gibt es schon ein großes Aber:

Als erstes stehen da die Kosten. Ein tolles Hochzeitsfest mit 120 Menschen kostet locker 20.000 – vielleicht sogar noch mehr. Bei den Kosten habe ich eine ganz gute Übersicht hier gefunden, nach der habe ich in meinem ersten Aufschlag mal die Kosten kalkuliert, bei 120 Menschen komme ich auf besagte 20.000 €, feiern wir nur mit 26 Gästen sind es etwa 3.000 bis 4.000 €. Ja, ich bin bei der kleineren Feier auch von einer weniger pompösen Ausstattung des Brautpaares ausgegangen. Bei einem kleinen familiären Fest sehe ich mich nicht in einem fetten Brautkleid sondern in einem schicken cremeweißen Cocktailkleid oder so.

Gegen die Maxi-Variante spricht auch, dass ich wenig Zeit für die Gäste haben werde. Klar, man kann natürlich so ein Fest eher für die Anderen veranstalten. Die haben ja Zeit füreinander. Aber will ich das?

Gegen die Maxi-Variante spricht noch, dass ich wahrscheinlich super angespannt sein werde, weil ja die Erwartungen so hoch sind. Ich habe das schon bei Freundinnen erlebt, die Spannung wird ja geradezu systematisch gesteigert mit Anprobe, Maske und weiterem Schingeling.

Ihr merkt schon, je mehr ich die Argumente aufliste, wir werden klein heiraten. Ein schönes familiäres Fest und vielleicht später noch eine kleine Strandparty mit allen unseren Freunden. Denn mein „Kindergeburtstagsproblem“ habe ich gedanklich noch nicht gelöst. Mit einer Strandparty nächstes Jahr im Sommer würde ich dies lösen können. Keine Ahnung, wie wichtig das meinen Freundinnen und Freunden ist.

Wenn man jetzt schon an später denkt

Noch ein letzter Blick auf die Finanzen und unseren gemeinsamen Ehestart allgemein. Wie im Interview mit Gisela ja schon deutlich geworden ist, wir haben unterschiedliche Einkünfte. Nachdem ich mich – motiviert durch das Gespräch mit Gisela – getraut habe, Robert nach seinen Finanzen zu fragen, haben wir auch unterschiedliche Rücklagen, die wir in die Ehe einbringen. Robert hat kein Problem, mich an seinen Rücklagen teilhaben zu lassen, wenn es darum geht eine Familie zu gründen. Ob mit oder ohne Kinder wird ein bisschen das Universum entscheiden, wir hätten im Grundsatz schon gern Kinder, sind aber beide nicht mehr die Jüngsten. Mit Kindern wird das Ganze natürlich noch teurer, aber selbst ohne Kinder werden bei der Gründung eines gemeinsamen Hausstandes einige Kosten auf uns zu kommen. Wir wollen in eine neue Wohnung ziehen und da wird es hier und da ein paar neue Möbel brauchen. Grundsätzlich fühlt es sich eh nicht gut an, wenn wir gleich unsere neue Familie auf ein Ungleichgewicht gründen, er also von Anfang an mehr bezahlt als ich. Aber wenn dem so ist, dann fühlt sich das für Investitionen, von denen wir beide hoffentlich noch lange was haben, irgendwie besser an. Sollte es dann tatsächlich zu Kindern kommen, wäre ich sehr, sehr dankbar, wenn wir dann noch eine Rücklage haben, um dann genug Puffer zu haben für alle Kosten, die dann erst auf uns zukommen. Und das könnten ja auch schon Kosten sein, um überhaupt erstmal Kinder zu bekommen. Wenn es nicht auf dem natürlichen Weg geht, dann ist ja schon die erfolgreiche Empfängnis ein möglicherweise teures Unterfangen. Will sagen, es kommt da noch viel auf uns zu. Wir wissen noch nicht genau was. Aber ich würde ungern in unserem weiteren gemeinsamen Leben auf unsere große Hochzeit zurückblicken und sagen, hätten wir da mal nicht schon viele Rücklagen verfeiert.

Ich freu mich auf Eure Sichtweisen, Erfahrungen und Gedanken zum Heiraten. Ich lerne da gerade noch viel dazu und bin gespannt, was Du so meinst!

1 Kommentar

  1. Nu ich habe damals fuer 500 Euro geheiratet, wohl die „Midi-Variante“ die Du meintest. Es war erstmal sehr irritierend: Gibts Du Hochzeit in eine Suchmaschine ein, wirst Du von Edelangeboten nur so ueberschuettet.

    Fuer uns Stand fest: Wir heiraten und bekennen uns gleichzeitig auch zu unserem Wohnort. Und plötzlich öffnete sich eine Welt: Wo gehen wir denn hin, wenn wir sonst etwas machen und Räumlichkeiten brauchen?

    Und siehe da: Das Dorfgemeinschaftshaus vermietete Räume auch ausdruecklich fuer Hochzeiten. 80 Euro kostete das – grosser Saal, Zugang zur Profikueche, mehrere kleine Räume und fuer den der wollte sogar Duschen und Sauna (die normalerweise der Fussballverein nutzt :)). Essen? Wir entschieden uns fuer ein offenes Bufett. Einfache Speisen, wie sie auch beim Schulfest serviert werden. Kostenpunkt: 5 euro per person, ink. geschirr. Jeder gast sollte ein extra mitbringen. ergebniss: eines der schönsten Bufetts das ich je hatte – auch wenn man nicht richtig wusste, was es wird.

    Am Geld solls nicht hängen, wenn man feiert. man kann auch mit Menschen feiern, ohne alles tragen zu können oder zu wollen. man muss nur fragen und klar sagen. Und als Hochzeitspaar ist man kein Gastronom, der seinen Gästen eine perfekte Show bieten muss. Sondern hoffentlich Teil eines Freundesnetzwerk, in dem gegenseitige Solidarität herrscht.

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