Im letzten Blogbeitrag ging es in den Geldgesprächen um bewusste und unbewusste Geldmuster, die wir von unseren Eltern erlernt und übernommen haben. Dabei hat sich schon herausgestellt, dass vieles unbewusst übernommen wurde. 

Gisela: Wenn Ihr Euch Eure übernommenen Geldmuster anschaut oder auch nur betrachtet, wie Eure Eltern mit dem Thema Geld umgegangen sind, welche Verhaltensformen wollt Ihr gerne übernehmen?

IMG_6435Disco: Spontan würde ich sagen, eigentlich gar keine. Aber das fühlt sich extrem untreu an. Irgendwie verräterisch.

Gisela: Da kommt Dir deine Loyalität gegenüber Deinen Eltern in die Quere. Gibt es andere Bereiche, in denen Deine Eltern toll waren und sind? Wie kannst Du sie anders ehren, als ihnen in ihren Geldmustern treu zu sein?

Disco: Da fällt mir einiges ein: Die liebevolle Art meiner Mutter und mein Vater, der einfach handwerklich unglaublich geschickt ist und den ich bei jedem Umbau und bei jeder Fahrradreparatur fragen kann. Und wenn ich anfange, mehr darüber nachzudenken, fallen mir wahrscheinlich noch ganz viele andere Punkte ein.

Gisela: Wie fühlt es sich an, wenn Du die vielen Bereiche, in denen Deine Eltern toll sind, würdigst und Dich erst dann von ihren Geldmustern verabschiedest und Dich genau in dem Bereich – obwohl es Deine Eltern so gut gemacht haben, wie es für sie passend war – von den Verhaltensformen Deiner Eltern verabschiedest und nach neuen Formen suchst?

Disco: Ja, dann geht es ein kleines bisschen besser. Dann kann ich mehr den Gedanken zulassen, dass ich das Gefühl von Mangel hinter mir lassen will. Es ist genug Geld da. Für mich und für andere. In jeder Lebenssituation. Ich werde es anziehen und wenn es bei mir ist, darf es zwar fliessen, aber ich muss es nicht wegschicken. Es nicht gleich sinnlos ausgeben. Ich darf da für mich bewusste Verantwortung übernehmen. Für das, was ich heute brauche und eben auch das, was ich in der Zukunft brauchen werde.

Menno: Tolle Formulierung, Disco. Bei Deinem letzten Satz kam mir so der Gedanke, dass es ja geradezu unsere Pflicht ist, uns anders zu verhalten als unsere Eltern. Meine Eltern mussten sich um eine gesonderte Altersvorsorge beispielsweise gar nicht kümmern. Die Rente reicht, das hat der Staat noch geregelt. Bei uns wird das nicht mehr der Fall sein. Wir müssen uns also selbst kümmern. Und können nicht alles Geld, was wir zur Verfügung haben, einfach so ausgeben. Hier will ich es anders machen, als meine Eltern. Einfach weil ich es als Notwendigkeit ansehe. Geld zurücklegen für das Alter und für Notfälle. Ich möchte mich auch nicht so hilflos fühlen wie meine Eltern. Gerade in Zeiten, wenn das Geld wieder knapp wurde, war da bei ihnen schnell eine Opferhaltung. Also beispielsweise als wir studiert haben, hatte ich das Gefühl, meine Eltern haben vorher ziemlich ausgeblendet, dass sie uns da unterstützen werden müssen. Obwohl das doch bekannt ist! Hier möchte ich mich in Zukunft verantwortlicher schlau machen. Und jetzt schon beginnen, für das Studium meiner Tochter ein bisschen Geld beiseite zu legen.

Dagoberta: Bei mir ist zwar das Ziel ein anderes, aber beim Lösen von der Loyalität zu den Eltern bin ich ganz bei Euch. Ich möchte nicht mit 80 auf einem Berg von Geld hocken und dabei das Gefühl haben, ich durfte mir nicht mal einen leckeren Käse gönnen. Oder richtig schön essen gehen. Oder was auch immer. Ich weiß, meine Eltern waren Kriegskinder und haben als Kinder entsprechend großen Mangel erlebt. Dem bleiben sie irgendwie treu. Ich möchte mich da lösen. Ich möchte mir Dinge gönnen, die sie gut anfühlen. Die meinem Leben Qualität geben. Am liebsten sind mir schöne Dienstleistungen (gutes Essen, Massage, schöne Handwerksprodukte), bei denen ich die Menschen kenne, die diese Dienstleistung erbringen.

Gisela: Fehlt für Euch noch was, um sich von den Mustern Eurer Eltern zu lösen?

Dagoberta: Also ich gestehe mir gleich schon mal viele Rückschläge ein, weil mir das Verhalten meiner Eltern viel vertrauter ist als meine neuen eigenen Ziele.

Disco: Ja, das tue ich auch. Ich werde Euch immer wieder in diesen Runden brauchen um dann wieder schnell auf meinen neuen Kurs zu kommen.

Menno: Oh ja, ich auch.

 

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