Und wenn man plötzlich stirbt?

und-wenn-man-plötzlich-stirbt

Vor drei Wochen ist ein guter Freund und Geschäftspartner verstorben. Nachdem er zwei Tage bei der Arbeit nicht erschienen ist, hat die Polizei in der Wohnung nachgeschaut und ihn tot im Bad aufgefunden. Herzstillstand. Mit 46 Jahren. Ohne Vorerkrankung oder irgendwelche andere Vorwarnungen.

19.10.2008 Taufe von Friedrich und Jakob 045Er und sein ganzes Umfeld waren darauf nicht vorbereitet. Gut, man kann sich fragen, wieviel man sich selbst auf so eine tragische Veränderung vorbereiten kann und will.  Nach meinem Glaubenskonstrukt ist er jetzt an einem schönen Ort. Aber für die, die hier bleiben, ist ein bisschen Vorsorge sehr hilfreich. Ich bin – schockiert durch diesen plötzlichen Verlust –  nochmal mit meinem Mann die Punkte durchgegangen, die für ihn wichtig sind, sollte ich plötzlich versterben. Und ich sag Euch, dass ist kein einfaches Gesprächsthema.

Testament

Zum einen haben wir uns darüber ausgetauscht, wer unser Geld erben soll. Sollte ich zuerst gehen, geht erstmal das ganze Vermögen an meinen Mann, so sieht es die gesetzliche Erbfolge vor, wenn es kein Testament gibt. Ich habe dies schonmal abgewandelt, ein Teil geht gleich an meine Verwandtschaft, ein Teil geht an Stiftungen und natürlich genug an ihn, damit er weiterhin gut leben kann. Das Testament habe ich erst auf dem Computer getippt und dann handschriftlich abgeschrieben. Ich hab einen Sauklaue, deshalb dachte ich, es ist eine gute Idee, wenn das Testament als Hilfestellung zum Lesen auch nochmal gedruckt vorliegt. Da ich nicht davon ausgehen, dass sich jemand um das Geld streiten wird, habe ich es bei dieser selbstgebauten Variante gelassen. Alternativ hätte ich sicherlich auch noch zum Notar gehen können.

Überblick über die Geldanlagen

Im zweiten Schritt bin ich mit meinem Mann und in Ansätzen auch mit meinem Bruder durchgegangen, wo ich welches Geld liegen habe. Meinem Mann werde ich in den nächsten Tagen auch noch Unterschriftsvollmachten bei den Banken einrichten lassen, so dass er im Notfall über die Konten verfügen kann.

Was ist sonst noch wichtig?

Beim oben beschriebenen Todesfall war die Firma das eigentliche Problem. Es war dort einer von zwei Geschäftsführern und die Aufgaben haben sich im Laufe der Jahre immer weiter spezifiziert, so dass der Kollege vieles nicht kann, nicht wusste und nicht beherrscht. Nun wird gesucht und sich über den Tag gerettet. In der Hoffnung, dass die Firma diesen Verlust überlebt. Meine würde das sowieso nicht tun. Also Soloselbständige wären meine Aktivitäten sofort obsolet, mein Mann könnte die letzten Aufträge anhand meines Terminkalenders absagen. Aber da wäre nicht viel zu tun. Im oben beschriebenen Fall hängt ein weiterer Geschäftsführer und 20 Mitarbeiter dran, da ist was zu tun. Wenn dies bei Dir auch der Fall ist, dann stell Dich der unangenehmen Aufgabe, mal durchzuspielen, was Du alles regeln musst, für den Fall, dass Du morgen nicht mehr das Büro betrittst. Nie wieder. Und man Dich eben auch nicht mehr fragen kann. Natürlich machen wir nicht laufend einen solchen Notfallplan, da wird man ja verrückt. Aber von Zeit zu Zeit zentrale Punkte durchzugehen, kann bestimmt nicht schaden.

Das Leben heute geniessen

Eine wesentliche Sache habe ich in der Trauerphase für mich auch noch wahrgenommen. Meine zunehmende Bereitschaft, das Leben heute und hier zu geniessen. Dank des toten Freundes brechen wir in drei Woche auf eine längere Thailandreise auf. Die haben wir bisher immer vor uns her geschoben. Jetzt war der Zeitpunkt reif, einfach mal die Flüge zu buchen. Denn wer weiß, wie lange ich hier noch schreiben, leben, lieben und geniessen darf.

8 Kommentare

  1. Mit dem Tod und Krankheit wird man nicht gerne konfrontiert. Gesetzlich ist da zum Glück vieles schon relativ gut geregelt. Zumindest finanziell. Emotional kann man sich leider auf plötzliche Tode nicht einstellen. Ich überlege manchmal, ob ich nicht ein paar Abschiedsbriefe schreiben sollte, um noch ein paar letzte Worte zum Trost übermitteln zu können.

    Respekt, dass ihr diesen traurigen Anlass genommen habt, um euer Leben zu überdenken. Wünsche euch viel Spaß auf der Thailandreise und dass ihr euch noch viele Jahrzehnte gemeinsam daran erinnern könnt!

    • Hi Ex-Studentin,

      ich finde ja, das im Detail von Staat relativ wenig geregelt ist. Klar, es gibt Erbfolgen. Und einen Erbschein, mit dem man dann an viele Sachen kommt. Aber alles, was im Haus liegt oder irgendwo aufbewahrt und vielleicht wichtig ist, das weiß keiner. Wobei es vielleicht auch nicht mehr wichtig ist, wenn man nicht mehr da ist. Das ist ja alles relativ mit den irdischen Besitztümern. Danke für Deine Wünsche zur Thailandreise, da freuen wir uns jetzt erstmal sehr drauf.
      Tschüß Monika

      • Ich habe meinen Eltern zumindest mal meine Bankinstitute genannt. Durch Kontoabbuchungen kann man da relativ einfach meine Verbindlichkeiten sehen. Ebenso durch meine Dokumentenordner. Wenn ich sterbe, muss die Miete trotzdem weiter gezahlt werden, weswegen mein Freund zumindest mal nicht direkt auf der Straße steht. Möbel und Co. kann er auch behalten, da hätten meine Eltern keine Verwendung für. Meine Klamotten und Schuhe sind relativ schnell entsorgt. Genug Geld für eine Beerdigung habe ich auch. Organspendeausweis ist ausgefüllt. Ich habe keine Kinder, keine Haustiere, keine Schulden und keine versteckten Wertsachen, weswegen rein organisatorisch mein Ableben hoffentlich kein Drama wäre. Die Frage ist nur, wie die Hinterbliebenen emotional mit der Gesamtsituation umgehen.

        • Ja das stimmt und das will ich auch nicht in Abrede stellen. Ein früher Tod nimmt die Angehörigen einfach sehr mit und hinterlässt uns so ratlos…

  2. So ein wichtiges Thema und gleichzeitig eins, dass ich am liebsten immer weiter schieben würde. „Mir wird schon nichts passieren!“ Naja, man hört ja die dollsten Sachen.

    Ich bin Familienvater und im Moment Alleinverdiener. Da komme ich schon ins Grübeln. Zum Glück laufen bei uns die Konten auf unserer beiden Namen und das Haus haben wir auch zu zweit gekauft. Für mich wäre es jetzt der erste Schritt, erst mal genau alles aufzuschreiben, was wir wo überhaupt liegen haben. Finanziell sollte es passen.

    Am Wichtigsten ist es wohl eine Regelung zu treffen, was mit den Kindern passiert, sollten meine Frau und ich irgendwie umkommen. Das ist meine größte Sorge. Das dürfen wir eigentlich auch gar nicht weiter aufschieben.

    Gut, dass Du dieses Thema hier noch mal erwähnt hast. Es ist so schrecklich sich jetzt schon mit dem eigenen Tod auseinandersetzen zu müssen.

    • Hi Nico,

      ja, ich habe es auch nur gemacht, weil mir plötzlich aufgefallen ist, wie schwer es für die Nachwelt ist, wenn nichts geregelt ist. Das es goße Angst macht, sich vorzustellen, was mit den eigenen Kindern passiert, wenn tatsächlich beide Eltern sterben sollen, dass kann ich aber so gut verstehen. Da will man aber so gar nicht mit rechnen. Ich wünsch Dir mal viele süße Enkelchen!!!

    • Hallo,
      oh ja, das ist auch noch ein wichtiges Thema, welches ich angehen muss. Allerdings ist mir die Verteilung meines Vermögens wichtiger, wenn da noch ein Facebookaccount und meine Mails durch die Welt schwirren, dann ist das eben so. Aber Du hast schon Recht, es macht Sinn, es zu regeln.
      Danke!

1 Trackback / Pingback

  1. Stress: Ein Symptom der heutigen Gesellschaft | Lifestyle, Finanzen und Lebensfreude

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*