Stop-Loss-Order – die Sicherheit im Aktiengeschäft

Stop-Loss-Order - die Sicherheit im Aktiengeschäft

Templin 005Ich habe einen Fehler gemacht. Oder auch nicht? Ich bin mir nicht sicher. Als ich wieder mehr Geld in Aktien angelegt hatte, habe ich am Anfang konsequent Stop-Loss-Order eingerichtet. Später dann nicht mehr. Jetzt wieder. Was sich für mich besser anfühlt und warum, will ich Dir heute erklären.

Was sind Stop-Loss-Order?

Mit einem solchen Order sagt Du Deiner Bank, dass sie ab einem Mindestwert Deiner Aktie oder Deines ETFs diesen automatisch verkaufen soll. Ein Stop-Loss-Order (SL-Order) lässt sich leicht einrichten, im Bereich Aktie verkaufen findet sich ein Feld mit Stop-Loss und hier kannst Du den Betrag angeben, ab welchem Deine Aktie verkauft werden soll. Dabei ist übrigens nicht garantiert, dass die Bank das schafft. Fällt eine Aktie im freien Fall ist es spannend, wann Dein Order platziert werden kann, wann er also zur Ausführung kommt und zu welchem Wert. Im schlimmsten Fall kann dies deutlich geringer sein, als was Du eigentlich wolltest.

Warum macht man das?

Um Verluste zu begrenzen. Wenn man eine Aktie kauft, kann man nicht genau wissen, ob diese steigen oder fallen wird. Nun kann man bei jeder Aktie sagen, wenn diese unter 10% meines Einstiegswertes fällt, soll sie automatisch verkauft werden. Heißt auch, dass der maximale Verlust in Deinem Depot 10% ist. Das ist viel, wenn man doch eigentlich Aktien kauft, um damit Gewinn zu machen. Das ist wenig, wenn eine Einzelaktie einen Abgang macht und man diesen nur 10% statt maximal 100% mitmacht. Klar, man rechnet nicht damit, dass alle Aktien so einen Abgang machen. Und logisch, man legt nicht alle Eier in einen Korb. Stop-Loss macht wahrscheinlich nur Sinn, wenn man verschiedene Aktien hat, aus unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Branchen.

Warum habe ich es eine Zeitlang nicht gemacht?

Mit einem Stop-Loss kommt es manchmal zu richtig blöden Verkäufen. Das ist mir zweimal passiert. Aktien, die sonst gut gelaufen sind, sind aus unterschiedlichen Gründen kurz runtergegangen. Sie haben gerade mal meinen Stop-Loss gestreift und sind dann auch schnell wieder gestiegen. Aber ich war nicht mehr dabei. Im Gegenteil, ich hatte auch noch zu dem niedrigsten Preis verkauft , eine Woche später wäre mein Verlust schon viel geringer gewesen. Ich habe mich geärgert.

Das SL-Kurse immer terminiert sind, laufen sie irgendwann aus. Aus meinem Ärger über die Verkäufe habe ich also die restlichen Sicherheitsmechanismen auslaufen lassen. Das war für mich aber auch nicht die Lösung.

Ohne Stop-Loss-Kurse schlechte Aktien verkaufen

Dann dachte ich, ich bin groß und vernünftig. Und könnte schlechte Aktien zu ihrem bestmöglichen Kurs verkaufen. Weit gefehlt. Die Psychologie schlägt mit voller Wucht zu. Wenn die Aktie steigt, dachte ich, die wird doch noch weiter steigen, jetzt bloss nicht verkaufen. Ist sie wieder gefallen, habe ich auf bessere Zeiten gehofft. Dabei sind einige Aktien (Gott sei Dank mit relativ geringem Einsatz) bis fast auf Null gefallen. Wo dann die 30 €, die man irgendwann noch rausholen könnte, auch keinen wirklichen Unterschied mehr machen. Aber andere, mit größerem Einsatz, sind auch 30% unter den Einkaufspreis gefallen, das tut dann schon ein bisschen weh. Irgendwann musste ich feststellen, dass dies auch keine Lösung für mich ist. Zumindest noch nicht. Oder auch nie. Ich weiß es noch nicht.

Nun habe ich wieder Stopps eingeführt

Nach dem Brexit habe ich wieder Stopps gesetzt. Bei zwei Aktien haben diese innerhalb weniger Tage gegriffen. Ja, jetzt habe ich also mit Verlust verkauft. Trotzdem war ich irgendwie erleichtert. Beide Aktien hatte ich schon seit Wochen auf dem Kieker, weil sie sich nicht wirklich gut entwickelt haben. Aber immer wenn sie nach oben gingen, habe ich ihnen noch eine Chance gegeben. Jetzt sind sie also raus. Auch wenn ich weiß, dass der andere Weg noch besser wäre, so fühle ich mich gerade mit meinen neuen Absicherungen sicherer. Und muss nun noch schauen, welche möglicherweise gut gelaufenen, aber jetzt langsam nicht mehr so guten Aktien ich verkaufe, um auch noch mit Gewinnen den Verlust für mich selbst und die Steuer auszugleichen.

Wie sicherst Du Dein Depot ab? Ich bin gespannt, von Dir und Euch zu lernen.

 

7 Kommentare

  1. Ich persönlich nutze prinzipiell keine Stop-Loss-Orders. In der Finanzkrise sind so einige meiner Positionen zwischenzeitlich bezogen auf den vorherigen Höchstkurs um über 70% im Minus gewesen. Trotzdem habe ich nicht verkauft, und bis auf wenige Ausnahmen stehen sie heute deutlich höher, zum Teil doppelt so hoch wie vor der Krise.
    Da ich als Buy-and-Hold-Anleger zumindest beabsichtigte,meine Aktien niemals zu verkaufen, brauche ich daher keinen Stop-Loss.

    Generell sichere ich mein Depot eigentlich garnicht ab. Ich lasse es einfach laufen und kassiere die Dividenden. Bisher funktioniert das ziemlich gut.

  2. Hallo Monika,

    Ich sichere gar nicht ab. Ich lege aber auch nicht wie du in Einzelaktien, sondern nur in marktbreite ETFs an. Da muss ich mich nicht um Befindlichkeiten einzelner Unternehmen kümmern und sehe dem Markttreiben eher gelassen entgegen.
    Die einzige Form der Absicherung erfolgt über die Depotstrukturierung, d.h. die prozentuale Verteilung auf verschiedene Assetklassen, bei mir konkret Aktien-ETFs auf der einen Seite und Tages- und Festgeld auf der anderen Seite. Wäre es mir wichtig, dass mein Gesamtdepot nicht mehr als 10% fällt, würde ich maximal 20% in Aktien-ETFs investieren (unter der Annahme, dass diese nicht mehr als 50% einbrechen).
    Würde ich SL setzen und z.B. mein MSCI World ETF verkauft werden, müsste ich mir ja überlegen, wann ich bei welchem Kurs welche Anlage wieder tätigen sollte. Langfristig halte ich Aktien aber für alternativlos und zukünftige Kurse vorhersagen fällt mir ebenfalls schwer. Daher würde ich sofort wieder in den gleichen ETF investieren wollen. Dann kann ich mir den Zwischenverkauf und damit die SL-Order auch gleich sparen. Denn Kaufgebühren habe ich ja auch trotz kostenlosem SL-Verkauf.

    Die Antwort hilft dir jetzt vermutlich zwar nicht bei deinem Problem konkret, aber vielleicht ist eine langfristige buy-and-hold-Strategie ja auch bei Einzelaktien sinnvoll? So ohne ständigen Handlungsbedarf bei jedem kleinen Huster an den Börsen.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

  3. Hi Monika,

    ich setze auch auf Buy-and-Hold, denn ich hab eigentlich nur in den Ferien Nerven und Zeit, irgendwelche Aktienkurse zu beobachten und als Privatanleger, der auch nicht in die Unternehmen reinschauen kann und die Gebühren ziemlich hoch sind, macht es keinen Sinn, viel hin und her zu schieben. So lege ich einen Teil in ETFs an und einen Teil in Einzelaktien, die ich in diesem Börsenbrief empfohlen bekomme: http://www.boersenverlag.de/aktienbrief-92

    Das ist ein ziemlich cooles Konzept, da werden quasi aus allen Aktien dieser Welt die besten herausanalysiert anhand von verschiedenen Methoden, und es werden die ausgewählt, die seit 10 Jahren und länger nur steigen. Natürlich fallen da auch mal welche raus, aber da wird man rechtzeitig gewarnt und es kommt sehr selten vor. Ich habe 6 Aktien aus dem Brief gekauft und mein Depot ist dauerhaft im Plus, selbst beim Brexit war es nur kurz bei -1%.
    Manchmal geht da eine Aktie runter, aber eigtl immer nur so 1-2€ unter meinen Einkaufswert, also kein Grund, sie zu verkaufen.
    Der Brief ist auch ziemlich teuer, die Empfehlungen kosten ca. 500€ im Jahr, die ich mir mit einigen Freunden teile, sodass es wieder wenig für jeden ist. Ich kann dir auch gerne mal einen zuschicken.
    Es werden auch immer wieder Unternehmen porträtiert, sodass man auch Infos bekommt, was man eigentlich kauft.

  4. SL-Order kommen für mich überhaupt nicht in Frage, denn ich investiere in Unternehmen, ich spekuliere nicht.

    Wenn du so wenig Vertrauen in die Unternehmen hast und die Aktienpositionen mit SL absichern musst, dann hast du dich schlicht für die falschen Unternehmen entschieden.

    Frei nach Warren Buffet:
    „Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden als heute.“

    oder Benjamin Graham:
    „Kaufe eine Aktie, als würdest du das ganze Unternehmen kaufen. Strebe nicht nach dem schnellen Dollar. Suche nach Unternehmen, deren Aktien du ein ganzes Leben lang halten kannst.“

    Als Dividenden-Investor, sieht man fallende Aktienkurse auch aus einem ganz anderen Blickwinkel:

    Du setzt SL-Orders und verkaufst wenn das Unternehmen auf das du eigentlich setzt, mal im Marktkurs abrutscht. Und Gründe dafür gibt es sehr viele. Vor allem Gründe die mit dem Unternehmen an sich GAR NICHTS zu tun haben.

    Ich dagegen lasse mich per E-Mail alarmieren, wenn die Unternehmen auf die ich setze mal im Kurs abrutschen, um dann günstig nachzukaufen….

  5. Hey Monika,

    my trading account is not secured with stop loss orders. The reason? I invest for the long term and do not look at short term fluctuations.

    One part of my portfolio is my buy-and-hold ETF collection. I only plan to sell parts in about 20-30 years from now. In the mean time, I do not mind the short term dips. I do believe in the long term, the trend is up (there are of course some exceptions to be found…). The problem here with a stop loss would be: when to buy again. I would need to buy cheaper than the stop loss price to make this work. Not easy…

    The orher part are my dividend stocks. I have one that went from 26 (where I bought) to 16, and now it bounces between 20 and 24. I keep it, as it pays each quarter a nice dividend.

    It is personal finnace, we each have our approach! that is what I like about it

  6. Hallo,

    danke für die vielen Hinweise. Ich bin noch nicht ganz sicher, mit welchen ich was machen will und mit welchen nicht. Deshalb nur der kurze Dank. Jeder Kommentar ist wertvoll, ich bin ja hoffentlich nicht die Einzige, die daraus Anregungen zieht oder noch ein bisschen was dazulernt.

    Viele Grüße Monika

  7. Hallo Monika!

    Ich komme aus dem aktiven Day Trading und kann deine Unsicherheit bei diesem Thema nachvollziehen.

    Aber es ist eine einfache Geschichte: Wenn du aktiv tradest und dazu mit Hebel, ist ein Stop Loss Pflicht.

    Siehst du dich tatsächlich als langfristiger Investor, würde ich mir die Zitate von Buffett und Graham mal gaaanz geruhsam durch den Kopf gehen und dann setzen lassen. Am besten kurz bevor du ins Bett gehst und noch ne Nacht drüber schlafen. Wie oben bereits beschrieben wurde, ist in diesem Fall ein Stop Loss sehr fragwürdig und nur für deinen Broker oder Bank vorteilhaft, die es natürlich gerne sehen, wenn ihre Kunden viele Orders in Auftrag geben.

    Bedenke aber: Das Orakel aus Omaha kauft seine Unternehmensanteile auf der anderen Seite auch nicht gerne zu teuer ein. Geduld, auf angemessene Preise warten zu können und Mut zum Risiko, wenn alle im Bekanntenkreis vor der Börse flüchten oder sich noch nicht wieder an sie heranwagen, gehört in vielen Fällen ebenso zu einem richtig guten Aktien Investment 😉

    Mein Tipp: Mach keine halben Sachen. Am Ende musst du dir klar werden, was deine Ziele an der Börse sind.

    Wenn du wirklich aktiv und profitabel traden möchtest, rate ich dir aus diversen Gründen von Aktien ab. Da gibt es für private Trader effizientere Alternativen. Trading hat nichts mit einem Investment zu tun, wenn du es selbst betreibst. Es ist tägliche Arbeit auf hohem Niveau. Und auf dieses Niveau musst du erstmal kommen. Frage dich, ob du das wirklich willst?

    WÜnsche dir und deinen ‚Ladies‘ auf alle Fälle weiterhin viel Erfolg, auch mit diesem gut gemachten Blog.

    Beste Grüße
    Ingmar

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