Heute schreibe ich mal wieder etwas persönlicher: Corona hat mich verstärkt in die Online-Welt gespült. Und ich habe viele tolle Dinge entdeckt. Viel gelernt, viel ausprobiert. Beides ist immer noch voll im Gange. Und ich entdecke Widerstände beim lernen und noch mehr beim umsetzen! Widerstand besonders gegen die Vermarktung über Gier. Widerstand gegen die Verheißung mit Leichtigkeit unglaublich viel Geld zu verdienen.

Fast alle Kurse zum Online-Marketing, die ich zum Teil kostenlos und zum Teil bezahlt gemacht habe, sind durchsetzt mit einer Verheißung: Wachse und Du wirst viiiiel mehr Geld verdienen. Ich reagiere darauf mit Widerstand (und gleichzeitig kenne ich die leise Stimme der Gier schon auch in mir – ich bin auch ambivalent). Der Widerstand entsteht in erster Linie über den Preis, den es zu zahlen gilt. Denn natürlich entsteht ein großes Online- Business nicht von alleine.

Ich möchte auch im Online-Geschäft langsam unterwegs sein. Ich möchte nicht unglaublich reich werden. Vielleicht erstelle ich mal ein Training für Menschen, die online einfach nur ihr Leben finanzieren wollen. Die nicht Millionen brauchen, sondern so etwa 60.000 € im Jahr. Gewinn. Nicht Umsatz. Um gut leben zu können. Fertig!

Natürlich lockt die Verheißung. Gleich sechs- oder gar siebenstellig zu verdienen. Aber wozu? Es ist wie in dieser Geschichte vom Fischer, der nach getaner Arbeit am Kai sitzt und die Beine baumeln lässt. Und ein Unternehmensberater kommt und ihm erzählt, dass er doch viel größer werden könnte, mit vielen Schiffen und vielen Mitarbeitern. Dass da noch so viel mehr drin sei in seiner Geschäftsidee, Fische aus dem Meer zu fischen. Und wenn er da richtig erfolgreich wäre, dann müsse er irgendwann selbst nicht mehr arbeiten und können nach wenigen Stunden Arbeit in der Sonne sitzen und die Beine baumeln lassen. Der Fischer, nicht doof, antwortet: Das tue ich doch jetzt schon!

Selbstverständlich triggert beim Groß werden nicht nur das Geld. Auch das Ego strahlt! Bisher habe ich bei meinen Online-Kursen immer so 10 bis 40 Teilnehmerinnen. Je nach Thema. Je nachdem wie gut ich geworben habe. Die Vorstellung, dass ich 100 bis 400, oder 1.000 bis 4.000 Menschen mit einem Kurs erreichen würde, bauchpinselt mein Ego. Das kann ich nicht leugnen.

Aber mein Ego ist nicht alles. Ich habe in vielen Stunden meinen idealen Entwurf von meinem (Arbeits-)Leben entworfen. Vor Corona, ganz analog. Da war schon klar, ich will nicht mehr als 10 Stunden in der Woche coachen. Und maximal einen Trainingstag. Klar, dass geht sich nicht jede Woche so aus. Es gibt Wochen, da ist es mehr. Aber dann braucht es auch Wochen, da ist es weniger. Es hatte sich in den letzten Jahren aber ganz gut eingepegelt. Auch was mein Einkommen angeht. Es war genug. Genug, plus ein paar Rücklagen für die Altersvorsorge. Fertig!

Natürlich kann ich mehr machen. Um Kunden bei mir in meinen Räumlichkeiten zu haben, muss ich ja auch Werbung im Netz machen. Aber da weiß ich, ich kann auch irgendwann locker lassen, wenn die nächsten vier Wochen eh ausgebucht sind. Ich habe dann wieder Zeit. Für andere Dinge. Starte erst wieder sichtbar zu werden, wenn es weniger Klienten werden. Ihr habt schon lange keinen Newsletter mehr von Klunkerchen gesehen? Hier ist die Antwort, es braucht grad keinen. Trotz Corona habe ich genug Kunden. Nicht genug, um richtig reich zu werden. Aber genug, um gut zu leben.

Bei einem skalierbaren Business spielt meine Zeit plötzlich eine andere Rolle. Es ist nicht das Coaching, was ich gebe, was Zeit kostet. Es ist die Zeit davor, die viel wichtiger ist, die Verkäufe sollen danach ja automatisch laufen. Und viel größer laufen, als bisher. Weil es ja zeitunabhängig ist. Nur wie viel Zeit will ich in das “davor” stecken? Wie viel greift bei mir die Motivation, dass ich danach ganz doll reich werde? Nicht besonders viel. Ich verfüge über ein solides Grundeinkommen, ich verdiene genug um meine Kosten zu decken, um mir meinen ganz eigenen Luxus zu gönnen, kurz um ich habe genug um glücklich zu sein.

Obwohl ich inzwischen den einen oder anderen automatischen Kurs gebaut habe, werde ich wohl eher die Live-Kurse verfolgen in relativ kleinen Gruppen. Denn ich möchte wirklich Veränderungen in Gang setzen und diese Veränderungen immer noch erleben. Dazu braucht es kleine Gruppen, damit ich die einzelne Person noch sehen kann.

Slow Business bedeutet für mich, nicht zwangsläufig jedes Jahr zu wachsen. Sondern Modelle, die auf Wachstum aus sind, zu überprüfen, ob dieses Wachstum für mich gut ist. Ob es für mich passt und meine Lebensqualität verbessert. Meist ist es das nicht. Deshalb lohnt es sich für mich, alle Strategien der Veränderung von unnötigem Wachstum zu befreien. Damit in meinem Leben viel wachsen kann und nicht nur die Arbeit. Wie ist das bei Dir? Schreib es gerne in die Kommentare. Besonders lerne ich gerne dazu, wie man mit einem Online-Business angenehm langsam wachsen kann.

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