Meine Rentenlücke

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und meine Ideen, wie ich damit umgehe.

Ich werde eine Rentenlücke haben. Obwohl ich jetzt schon seit einigen Jahren in einen ETF Sparplan einzahle und der sich auch ganz gut entwickelt, wird es nicht reichen. Meine Trennung und die späte Verantwortung für meine Finanzen machen sich heute bemerkbar und lassen sich eben mangels Zeit nicht einfach wieder aufholen. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich mir dies eingestehen konnte und nochmal ein paar Monate bis zu diesem Beitrag. Die Erkenntnis ist einfach bitter. So bitter, dass ich – wie viele meiner Freundinnen – eben gar nicht hinschauen wollte. Vogel Strauss mit der Kombi, es wird schon gut gehen…

Was es mir leichter gemacht hat? Das Buch „Geht’s noch“ von Caitrin Lynch. Obwohl ich es nicht zu Ende gelesen habe. Aber die Grundphilosophie hat bei mir unglaublich viel in Gang gesetzt. In „Geht’s noch“ wird eine Firma in den USA beschrieben, die Spritzen und Nadeln herstellt und bei der das Durchschnittsalter der Mitarbeiter 74 ist. Die älteste Mitarbeiterin ist 99! Sie arbeiten alle, wann und wie lang sie wollen. In Interviews beschreiben sie, dass sie genau durch diese Arbeit viel fitter sind und sich – bei Besuchen von Freunden – in Altersheimen so gar nicht wohl fühlen.

Der Gedanke, einfach nach Renteneintritt weiter zu arbeiten, war für mich eine Offenbarung!

Nun kenne ich in Deutschland keine einzige Firma, die so arbeitet und ich will im Alter nicht noch in die USA auswandern. Aber es hat meine Gedankengänge in ganz neue Richtungen gelenkt. Ich bin auch in einen ganz neuen Suchprozess gegangen, was meinen Blickwinkel auf alte Menschen angeht. Ja, ich kenne viele alte Menschen, die noch lange auf dem Hof mitarbeiten, in einem Hotel, in dem ich immer gerne absteige, serviert morgens eine ältere Dame das Frühstück. Ich habe sie beim letzten Besuch gefragt, wie alt sie ist. 77! In unserem Gespräch gab sie schon zu, dass sie manchmal morgens nicht so gerne aufsteht, aber in der Gesamtsumme war sie bestrebt, den Frühstücksservice auch noch die nächsten Jahre zu betreuen. „Das gibt meinem Tag Struktur und was sollte ich denn sonst morgens machen. Außerdem geniesse ich es auch ein bisschen, von den Jüngeren bewundert zu werden.“
Im Großen gibt es in Deutschland keine Kultur ältere Menschen einzustellen, im Kleinen aber immer mal wieder. Ich war in meinem Leben schon selbständig, für mich war es also logisch, auch in diesem Bereich mal genauer hinzuschauen.

Ich könnte nach meiner angestellten Tätigkeit selbst ältere Menschen beraten, wie sie ihr Leben sinnvoll gestalten. Ich habe schon Existenzgründungsberatungen in meinem Leben mal gemacht, vielleicht ist mein Weg, den ich jetzt gehe, der, der für andere eine Inspiration und ein Wegweiser ist. Mit einer Freundin gehe ich gerne auf Pilzsuche. Wir wissen beide ziemlich gut, welche Pilze essbar und welche giftig sind. Auch dieses Know-How könnten wir in Führungen im Alter anbieten. Zumal ich einige wirklich gute Orte für Pilze kenne. Ich könnte aber auch meine Kenntnisse aus meinem aktuellen Job in einer beratende Tätigkeit umwandeln und Büros organisieren und Struktur reinbringen. Alternativ könnte ich natürlich auch in einem Büro zwei Tage die Woche mitarbeiten. Es gibt wirklich viele Ideen…

Meine Rentenlücke wird je nach Lebensstandard zwischen 500 und 1.000 € im Monat betragen. Eher in die niedrigere Richtung. Allerdings würde ich gerne auch im Alter zwischen 65 und 80 noch etwas dazu sparen, um im hohen Alter gut leben zu können und dann vielleicht auch nicht mehr arbeiten zu müssen. Jenseits der Erlaubnis, mir vorstellen zu dürfen, dass ich dann noch arbeiten kann und dies vielleicht tun will. Aber eben nicht mehr müssen.

Ich habe im Augenblick noch 9 Jahre Zeit bis zur Rente. Wirklich ausgiebig Zeit, um genauer hinzuschauen, was ich mir dann aufbauen will. Genügend Zeit, um nochmal eine Fortbildung zu machen – oder mehrere – um dann gut gerüstet ein neues Unterfangen zu starten. Oder es vielleicht schon ein bisschen früher nebenberuflich zu starten, um dann ganz einfach rüberzugleiten, in die neue Lebensphase.

Und was, wenn ich krank werde?

Diese Frage bekomme ich immer wieder zu hören, wenn ich von meinen neuen Ideen rede. Ich habe da viel drüber nachgedacht. Ich habe geschaut, welche Menschen ich kenne, die krank geworden sind. Die meisten, die ich kenne, hatten keine Aufgabe mehr. Meine Mutter hat sich lange nur auf Krankheiten fixiert, sie hatte aber auch sonst nichts im Leben. Kaum war meine Tochter geboren und sie konnte sich immer wieder um das Enkelchen kümmern, waren viele Krankheiten wie weggeblasen. Andere ältere Menschen, die noch gezielt einer Tätigkeit nachgehen, egal ob ehrenamtlich oder bezahlt, haben zwar Wehwehchen, aber keine größeren Krankheiten. Dafür kenne ich auch in meinem Alter und jünger Menschen, mit wirklich schweren Krankheiten. Was ich für mich rausgefunden habe, hat so ein bisschen was mit dem Gesetz der Anziehung zu tun. Wenn ich davon ausgehe, dass man im Alter nun mal krank ist und mir dies wohl auch widerfahren wird, dann ist in meiner Vorstellung die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies auch passieren kann und wird. Ich gehe lieber davon aus, dass ich gut mit mir umgehen werde und das ich nicht wissen kann, ob mich eine schwere Krankheit heute erwischt oder in 10 Jahren oder in 20 oder eben auch nie. Ich gehe mal vom positiven aus und hoffe, dass ich das dann auch anziehe. Eben weil ich auch viele ältere Menschen kenne, die ziemlich gesund sind!

Für mich sind diese Gedankengänge gerade sehr spannend. Mein Blick auf das Rentenalter hat sich gewandelt von Sorge hin zu Neugierde und Gedanken an Neuanfang. Da geht nochmal eine neue Lebensphase los, die ihre Herausforderungen haben wird. Es wird vielleicht anstrengend werden, aber eigentlich fand ich Herausforderungen in meinem Leben bisher immer spannend. Besonders wenn ich sie bewältigt habe. Ich bin gespannt, wie Du auf Deinen Lebensabend schaust.

2 Kommentare

  1. Oh ich mag so Menschen wie dich.
    Die Dinge angehen und nicht jetzt schon anfangen zu jammern wie schlecht es ihnen in 9 Jahren schon gehen wird. Das wären 9 verlorene Jahre.
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
    Gruß
    Heike

  2. In dem Unternehmen, in dem ich arbeite (IT-Branche), ist ein freier Mitarbeiter beschäftigt, der, seit er 70 wurde, nur noch in Teilzeit arbeitet. Für ihn gilt das gesetzliche Rentenalter nicht, weil er ja selbstständig ist. Bei einem Partnerunternehmen kenne ich auch einen angestellten Mitarbeiter, der bei Erreichen des gesetzlichen Rentenalters die Rente nicht beantragt, sondern stattdessen mit seinem Arbeitgeber einen neuen, erstmal auf zwei Jahre befristeten, Arbeitsvertrag ausgehandelt hat. Er ist weiterhin in Vollzeit tätig, hat sich aber 30 zusätzliche Tage Urlaub pro Jahr gekauft. Das zweite Modell gefällt mir besonders. Dieser Kollege sammelt noch zwei weitere Jahre fleißig Rentenpunkte (und bekommt später auch noch einen Zuschlag auf die Rente), hat dabei aber trotzdem endlich so viel Freizeit, wie er schon immer gerne gehabt hätte.

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