Dies ist ein Beitrag zur Blogparade: Der weibliche Weg zum Erfolg von Mara Stix.

Als ich den Aufruf gelesen habe, habe ich mich erstmal gefragt, ob ich mich überhaupt angesprochen fühle. Und habe dann tatsächlich nachgedacht, warum ich zweifle. Das liegt an Bildern, die ich von sogenannten erfolgreichen Frauen habe. Stereotype, ich weiß. Sie sind alle jung,Blaue frau schlank und schön. Sie posieren wahlweise im schicken Kostüm, mit reizenden Kindern oder am Strand. Erfolgreich, fröhlich, frei.

So bin ich so gar nicht. Ich habe mich als Frau immer anders definiert. Mir waren andere Attribute wichtig:

Unabhängig, intelligent, mutig, humorvoll und liebevoll.

Das sind für mich Attribute, die ich mit meiner Weiblichkeit verbinde. Die mich im übrigen erfolgreich gemacht haben. Meine finanzielle Freiheit verdanke ich definitiv meiner Unabhängigkeit und der Fähigkeit, Dinge sehr rational zu durchdenken. Ob es um die Anschaffung eines Autos oder eines neuen modischen Outfits geht, ich bin sehr nüchtern in der Analyse, ob ich was auch immer jetzt brauche. Statt Auto gab es Fahrrad und BahnCard, statt modischem Outfit gibt es zeitlose Kleidung, die gut sitzt und für mich funktioniert (u.a. beim Fahrrad fahren). Ich könnte das beliebig fortführen. Für mich war es immer wichtiger, mein Geld zu investieren, als es in Konsumgüter auszugeben. Ja, und das hat mich manchmal zur Aussenseiterin gemacht. Was ich aber meistens nicht so schlimm fand. Wie schade, dass es leider auch nicht zu den weiblichen Leidenschaften gehört, Geld zu investieren. Ob der Kauf von Immobilien oder Aktien, mit vielen anderen Frauen in meinem Umfeld kann ich da nicht reden. Für meinen Weg zum Erfolg gehört es wohl dazu, immer wieder auch Außenseiterin zu sein. In Zeiten des Internets finde ich das übrigens immer weniger schlimm. Ich finde in meinem Umfeld keine guten Gesprächspartner zu einem Thema? Kein Problem, im Internet finden sich Menschen, die sich auch für ein bestimmtes Thema interessieren. Mag es noch so schräg sein. Obwohl ich zugeben muss, dass sich bisher auf diesen Blog oder aufgrund von meiner Recherche noch keine andere Millionärin gemeldet hat. Was schade ist, ich würde mich über einen Austausch freuen.

Mit Humor der Männerwelt begegnen

Unabhängig und sicherlich humorvoll musste ich sein, um mich in einer Männerwelt zu behaupten. Ich war lange Zeit beruflich in Kreisen unterwegs, in denen außer mir nur wenige andere Frauen unterwegs waren. Wir wenigen haben uns zusammengetan. Wir haben uns über Testosteronschübe manchmal aufgeregt und viel darüber gelacht. Natürlich ist es ärgerlich, wie Männer im Eifer des Gefechts versuchen zu dominieren. Aber manchmal ist es doch auch irgendwie putzig. Zugegeben, ich rede hier über die gleiche Hierarchiestufe, bei der man sehr entspannt sagen kann, guter Versuch, ich mach aber trotzdem nicht mit. Als sich die Hierarchiestufe über mir geändert hat und dort in meinen Augen antiquierte patriarchalisch geprägte Männer übernahmen, habe ich schweren Herzens meinen Hut genommen. Ich musste viel Mut für diesen Schritt zusammennehmen. Damals war ich noch nicht finanziell frei und eine gut bezahlte, unbefristete Stelle mit vielen Annehmlichkeiten aufzugeben, das stösst auf viel Unverständnis im eigenen Umfeld. Im Rückblick habe ich diesen Schritt nie bereut. Ich erlebe viele Frauen, die in ihrem Job in einer kuriosen Opferhaltung verharren. Es stimmt, es braucht gehörig viel Mut, aber frau muss da nicht bleiben! Frau kann jede Position kündigen und etwas Neues anfangen.

Brauch´ ich eigentlich einen Prinzen?

Was noch hinter meinem Erfolg steckt? Immer wieder so alte Mädchenträume zu hinterfragen. Will ich wirklich einen Prinzen? Der mich entführt und mich dann auf seinem Schloss versorgt? Es lohnt sich, solche Bilder wirklich alltagstauglich zu machen. Und die darin vermittelte Weiblichkeit zu hinterfragen. Gerade wenn es um Geld geht. Mich hat es abgeschreckt, wie wenig meine Omas und meine Mutter sich um das Thema gekümmert haben. Sie waren alle keine Prinzessinnen, sondern gestandene Frauen. Aber gerade beim Geld wurde viel Verantwortung an die Männer abgegeben. Wenn mein Opa auch sonst in der Familie nicht viel zu sagen hatte, bei der Übergabe des Haushaltsgeldes war er der King. Ich habe das als Kind beobachtet und als radikale Jugendliche Rollenbilder und eben Märchen auseinandergenommen. Was heißt denn das für ein Leben als Frau, wenn ich vom Prinzen gerettet werde? Mir war dann schnell klar, ich will keinen Prinzen. Ich will auch keinen reichen Mann. Ich will Gleichberechtigung. Ich fände es sogar okay, die Ernährerin zu sein. Nein, wenn ich ehrlich bin, ich fände das geil. Uups, was für ein radikaler Gedanke für eine damals 18jährige. Zu diesem Zeitpunkt entstand schon der Plan von finanzieller Freiheit, auch wenn ich es damals anders genannt habe.

Was ich zugeben muss: Nicht-Prinzen sind rar in Deutschland. Zumindest ich musste lange nach meinem Schatz suchen. Dennoch war mein Plan erfolgreich. Ich bin heute verheiratet, ich steuere das Geld in unsere Beziehung und mein Mann macht den Haushalt. Was übrigens ganz unseren Leidenschaften entspricht. Ich könnte mich nie über nicht richtig geschlossene Schubladen oder klebrige Küchenschränke aufregen. Mein Mann kann das. Dagegen findet er Aktien bedrohlich, er würde unser ganzes Geld im Sparbuch parken. Hier bin ich fiter. Wir sind glücklich so. Aber wir mussten uns unabhängig von gesellschaftlichen Bildern machen. Die sitzen tief und man stösst auf viel Unverständnis. Wie, der Mann arbeitet nicht? Wie, die Frau nur manchmal und ansonsten investiert sie ihr Vermögen? Das passt alles nicht mit unseren antiquierten Bildern von Mann und Frau zusammen. Das Märchen, in der eine dicke Prinzessin den gutaussehenden Prinzen in ihr kleines, aber feines Häuschen entführt, hat noch keiner geschrieben. Doch sie lebten dort glücklich immerdar (hoffentlich).

 

 

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Ex-Studentin

Schöner Artikel und interessante Blogparade. Ich muss sagen, dass du als 18-Jährige deiner Zeit voraus warst. Selbst heute wirst du so schnell kein junges Mädchen finden, was sich in dem Alter so hohe Ziele setzt wie du.

Dein Erfolg zeigt, dass du damit vieles richtig gemacht hast. Anders denken und anders handeln muss nichts Schlimmes sein. Nur wie du sagst – es versteht nicht jeder in deinem Umfeld. Da muss man drüber stehen.

Annabella

Meine Eltern waren beide berufstätig, wenn meine Mama sich was Schönes gekauft hatte, versteckte sie es wochenlang vor meinem Vater, der hätte nur geschimpft und es als Geldverschwendung abgetan, das hat mich geprägt, ich habe schon als Kind gewusst, das wird mir nie passieren, und ist es auch nicht. Niemals würde ich mir von einem Mann vorschreiben lassen was ich mit meinem Geld mache oder nicht mache,
meine Arbeitskolleginnen lassen das Finanzielle von ihren Männern regeln, “der macht das schon, der kennt sich aus”, da ist immer von Riester und Lebensversicherung die Rede, ich schmunzle dann nur….
Die sind ja meist jünger als ich, aber Ansichten wie aus dem letzten Jahrhundert…. 🙂

Couponschneider

Meine Eltern waren beide berufstätig, meine Mutter hat zeitweise mehr Geld nach Hause gebracht. Mein Vater neigte stark zum Imponieren und das ärgerte ihn wahrscheinlich, wenn ich die Geschehnisse vor 20 Jahren rekapituliere. Meine Mutter konnte auch besser mit Geld umgehen, obwohl sie auch schlecht beraten war. Als sie dann starb, rissen einige Stricke und mein Vater kloppte das Geld nur so raus, z. B. für einen Volvo für 36000 DM (Jahreswagen), obwohl der Baukredit noch zu tilgen war. Das entspräche heute ca. 25000 €, wenn man die Inflation von 2 % einrechnet. Sowas verkneife ich mir, obwohl ich finanziell weit besser da stehe.

Die Tilgung des Baukredites schaffte er erst mehr als zehn Jahre später. Mein jüngerer Bruder bekam auch plötzlich ganz viele Sachen, ständig einen neuen Computer.

Meinem Vater flutschte das Geld nur aus den Fingern. Wir waren eine der ersten im Dorf mit einer Videokamera. Nur das Filmen beherrschte er nicht. Wozu dann die Kamera? Damit man zeigen konnte, dass man das Geld stecken hatte. Die Kamera verschwand ziemlich schnell im Schrank und staubte ein.

Bis 1991 oder 92 heizten wir mit Kohle. Mein Vater kaufte zu viel Kohle und da machte sich ein Nachbar auch noch lustig: “Willst wohl allen zeigen, wie viel Geld du hast.” Dann wurde angekündigt, dass alle Wohnungen modernisiert würden, d.h. Umstellung auf Ölheizung. Die Kohlen waren aber schon im Keller eingelagert und mein Vater war zu stolz, dann die Kohle zu verschenken. Es wurde bis in den Mai hinein geheizt wie blöde. Meine Oma, die im ja im selben Dorf wohnte, heizte ja auch mit Kohle. Auf die Idee, täglich einen Eimer Kohlen dorthin zu bringen, kam er nicht. Das hätte ja der scharfzüngige Nachbar sehen können.

Meine Mutter und ich waren damals schon der Meinung, dass der Nachbar recht hatte.

Ex-Studentin

Wow.. Dazu kann ich nur einen ehemaligen Lehrer von mir zitieren: “Jeder Mensch ist für was gut und sei es nur als schlechtes Beispiel..”

Der Umgang mit Geld wird leider keinem in die Wiege gelegt. Aber ich bin traurigerweise froh über die ein oder andere schlechte Erfahrung, weil sie mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich jetzt bin.

catherinelifedesign

Hallo liebe Monika,
spannende Geschichte und Sichtweise. Das inspiriert mich und ich kann mir einiges mitnehmen… inkl. einer Newsletter-Anmeldung, damit ich keine Infos mehr von dir verpasse 🙂
Es tut gut und erfrischt mal auf eine etwas andere Herangehensweise zum Thema Geld von einer Frau zu treffen. Danke!

Ich selbst habe auch bei Mara’s Blogparade mitgemacht und mir “10 Dinge” angesehen, “die uns hindern auf weibliche Art erfolgreich zu sein”… Geld-Glaubenssätze war natürlich ein Punkt 🙂

PS. Ich hab früher auch in der Nachhaltigkeitsberatung gearbeitet und das ist für mich auch ein Thema bei Anlageformen. Ich freue mich auf deine Tipps.

[…] Monika Reich […]

[…] Mein weiblicher Weg zum Erfolg […]

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