Geld verdienen und dadurch meinen eigenen Wert empfinden, ist bei mir stark verankert. Ich habe das fast mein ganzes Leben bisher gemacht und ich fühle mich sehr gut damit. Warum ich das schreibe? Weil mich meine eigene finanzielle Freiheit in eine spannende Achterbahnfahrt geschickt hat, in Bezug auf Arbeit und ob ich dazu jetzt Lust habe oder eben nicht.

Natürlich ist auch meine Arbeit als freiberufliche Beraterin im Bereich von nachhaltiger Entwicklung nicht immer nur ein Zuckerschlecken. Ich habe mit Unternehmen zu tun, die eigentlich mauern, ich habe mit Abteilungen zu tun, die Nachhaltigkeit als wahren Quatsch wahrnehmen, ganz zu schweigen von so Details am Rande wie meine eigenen Buchhaltung oder die Steuererklärung. An die Akquise mag ich gar nicht denken, sie ist allerdings auch kaum nötig da ich immer weiter empfohlen werde.

Aber wenn ich gute Beratungen erlebe und merke, wie sich Unternehmen eben auch wunderbar weiterentwickeln, dann weiß ich, wozu ich das mache. Es macht großen Spass und für mich eben großen Sinn. Und ich fürchte, da ist auch noch was Anderes: Die Arbeit bestimmt meinen Selbstwert. Meinen Respekt vor mir selber. Das mag schräg klinken, aber es ist so.

Ich habe in den letzten Jahren viel darüber nachgedacht, in Listen festgehalten, welche Tätigkeit ich auch ohne Geld machen würde und welche eben nicht. Ich habe Glück, viele Tätigkeiten, die ich mache, würde ich auch ohne Geld machen, da gibt es genug anderen Sinn und Mehrwert für mich. Oft stellt sich die Frage nicht. Meine Arbeit würde sozusagen ehrenamtlich ganz anders wahrgenommen werden. Damit sie also ernstgenommen wird, nehme ich dafür Geld. Ist schon okay so.

Was mich überrascht hat, ist mein eigenes Bedürfnis Geld zu verdienen. Ich generiere über Mieten und andere Kapitalerträge eigentlich genug Geld, um davon leben zu können. Aber die Ausgaben durch selbst verdientes Geld zu decken, fühlt sich anders an. Ich kann das nicht genau beschreiben, ich glaube, es hat Momente von Zugehörigkeit zu allen anderen arbeitenden Freunden in meinem Umfeld, und eine gehörige Portion von Stolz und Respekt für meine Leistung, also trotzdem noch gutes Geld zu verdienen und uns damit zu ernähren. Insofern kann ich dem Buch von Gisela Enders, Bau Dir Dein Grundeinkommen, nur zustimmen. Meine finanzielle Freiheit führt nicht dazu, dass ich mich auf die faule Haut lege. Das Bedürfnis meinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und dafür auch Anerkennung in Form von Geld zu erhalten, ist geblieben. Es hat sich, bis auf kurze experimentelle Zeiten, überhaupt nicht geändert. Was sich allerdings geändert hat, ist der Druck.

Arbeiten ohne Druck – der wahre Luxus der finanziellen Freiheit

Der wesentliche Unterschied zu früher ist die Abwesenheit von Existenzdruck und damit auch eine viel entspanntere Verhandlungsbasis mit Auftraggebern. Und das ist purer Luxus. Der andere Luxus liegt sicherlich in der Menge der Arbeit. Ich arbeite längst nicht immer 40 Stunden in der Woche, es variiert. Manchmal arbeite ich alle 5 Tage, das ist aber eher selten. Und manchmal sind es nur zwei Tage. Ich weiß von Kollegen, dass diese schnell nervös werden, wenn sie nicht ausreichend gebucht sind. Ich freue mich meistens, dass ich Luft holen kann.

Durch meinen Anspruch, die jährlichen Ausgaben durch die selbst erarbeiteten Einnahmen zu decken, habe ich den Druck zwar wieder ein bisschen erhöht. Aber ich weiß ja, wenn ich diesem Anspruch nicht gerecht werde, dann eben nicht. Da passiert so gut wie gar nichts. Gut, ich spare dann weniger. Aber ich weiß eh noch nicht, was ich mit dem ganzen Geld machen soll. Ich habe noch gut 10 bis 15 Jahre zu arbeiten. Wenn in dieser Zeit alle passiven Einkünfte auf die hohe Kante gelegt, bzw. investiert, werden, kommt da ganz schön was zusammen. Das steht auf der Tagesordnung als nächstes Thema. Meinem Vermögen einen Sinn geben, wenn ich es selbst nicht brauche. Und nein, ich brauche in den Kommentaren keine Tipps, was ich dann damit machen soll. Das möchte ich mir gerne selbst überlegen dürfen. Gerne aber jeden Gedankenaustausch über den Sinn von Arbeit und das dieser vielleicht doch weit über den Zwang zum Geld verdienen hinaus geht. Oder nicht?


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