Leben in Gemeinschaft

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This post is in German. Find a summary in English at the bottom. 

Geld ist nicht alles. So gar nicht. Robert und Emma von What life could be haben zum Thema „In Gemeinschaft leben“ zu einem Blog carnival aufgerufen. Finanzielle Freiheit ist das eine, Leben mit Menschen die Ergänzung. Oder vielleicht umgekehrt. Zumindest für mich. Ich lebe mit anderen Menschen und das ist mir deutlich wichtiger als mein Geld auf dem Konto. Denn Zugehörigkeit (und Liebe) ist ein Grundbedürfnis, welches zum Glück im Leben einfach viel mehr beiträgt als ein volles Konto. Ich kann hier nur aus ferner Vergangenheit von einer Vision berichten. Ansonsten lebe ich glücklicherweise mit meinen 48 Jahren in einer Gemeinschaft, die für mich genau richtig ist. Mit Träumen und Visionen kann ich nicht mehr herhalten. Nur mit der Realität, die für mich einfach sehr gut passt.

Kann man Gemeinschaft planen? Sicherlich. Ich habe es nicht getan.

Außer dass ich es mir schon im Studium vorgestellt habe. Damals hatte ich einen sehr netten Mitbewohner. Er hatte eine Freundin und es war klar, dass diese irgendwann Kinder haben würden. Ich habe mir damals vorgestellt, wie schön es wäre, in Häusern nebeneinander zu wohnen, die Kinder mit aufwachsen sehen zu dürfen und gleichzeitig keine eigenen zu haben. Letzteres konnte ich mir im Studium nicht vorstellen. Soweit aber erstmal zur Vision.

Ich habe dann viele Jahre alleine in einer Wohnung gelebt.Wir haben zwar von einer Kommune oder etwas ähnlichem geträumt, aber faktisch kam es nie zu einer Umsetzung. Letztlich war es der Wunsch nach einem Garten, der mich angetrieben hat, nach einem Haus mit Garten zu suchen. Es wurde dann ein altes Reihenhaus in einer Gartenstadt der 20er Jahre. Ich habe es vor 12 Jahren alleine gekauft, die Gemeinschaft kam daraufhin ganz alleine zu mir. In meiner Yogaausbildungsgruppe gab es eine Frau, die ich nicht so gut kannte, mit der ich aber von einem Ausbildungswochenende nach Hause gefahren bin. Sie interessierte sich sehr für mein Haus und setzte mich nicht an der Bahn ab, sondern fuhr mich nach Hause. In der Woche drauf besuchte sie mich nochmal mit ihrem Mann, vier Wochen später hatten sie das leerstehende Nachbarhaus gekauft. Sie wurde bald drauf schwanger und war beim Ausbau des Hauses nicht so präsent. Dagegen habe ich in der Zeit ihren Mann und viele Freunde gut kennengelernt. Ich habe gekocht für alle, einige Male kamen auch sehr dreckige Männer vorbei, um erstmal in meinem Bad zu duschen. Nach dem Einzug kam bald das erste, dann noch das zweite Kind zur Welt. Beide habe ich nicht nur aufwachsen gesehen, ich hatte sie auch viel bei mir. Einen Babysitter kennen die Kinder nicht. Dafür war Mo, nach Mama und Papa eines der ersten Worte, die sei sprechen konnten.

Es sollten noch mehr Menschen zu unserer Gemeinschaft dazustossen.

Mein Mann zog vor 7 Jahren ein, im anderen Nachbarhaus fand auch ein Wechsel statt, der uns wunderbare neue Freunde beschert hat und den beiden bisherigen Kindern eine neue kleine Schwester. Aktuell leben in unserer engen Gemeinschaft sechs Erwachsene und drei Kinder in drei Häusern. Dazu kommen noch weitere Nachbarn, die an unserem Zusammenleben teilhaben. Sie kommen vorbei, teilen Grillgut oder Pflanzen und helfen, wenn Hilfe benötigt wird. Umgekehrt machen wir das natürlich auch. Das ist, glaube ich, sowieso das grundlegende Konzept von einem guten Zusammenleben: Geben und Nehmen.

Im Laufe der Jahre haben wir die Gärten so zusammengelegt, dass die Kinder es als eins verstehen. Was die Bewirtschaftung angeht, sind wir jeweils für unseren Gartenstreifen zuständig. Die Ausnahme bilden die Obstbäume, die haben wir zum Teil auf die alten Grenzen gepflanzt. Und sie werden von allen genutzt. Das kann dann aber auch so gehen, dass wir vereinbaren, dass es einen Apfel-Crumble geben soll. Die eine erntet, die nächste schnippelt schnell klein und in der dritten Küche werden die Streusel gemacht. Fertig ist er. Gegessen wird er dann von allen. Klar.

Manchmal wundere ich mich, mit wie wenig Vereinbarungen und Absprachen wir auskommen.

DSCN4392Zumal wir durchaus unterschiedlich sind. Dieser Unterschiedlichkeit sind wir uns bewusst und bringen alle ein hohes Maß an Toleranz mit. Im Inneren der Häuser sind wir jeweils alleine für unser Reich zuständig. Allein die Kinder gehen ein und aus. Die Regeln, wie sie sich in unserem Haus zu verhalten haben, haben die jeweiligen Hausbewohner festgelegt. Das war tatsächlich auch die Absprache mit den Eltern. Wenn sie entsprechend was kaputt machen oder Grenzen überschreiten, ist das unser Thema, nicht das der Eltern. Und das geht auch gut. Wenn sie zu sehr nerven, werden sie rausgeschmissen. Je größer sie werden, desto seltener passiert das. Und wir lieben sie.

Unser Alltag findet viel gemeinsam statt. Im Sommer mehr als im Winter. Wir essen gemeinsam auf den Terrassen, wir treffen uns bei der Gartenarbeit oder spielen mit den Kindern. Der Höhepunkt sind sicherlich unsere Wasserschlachten, nicht nur die Kinder lieben sie an heißen Tagen. Die Männer verabreden sich gerne auf einen Ausflug in den Baumarkt. Schrauben kaufen. Wir Frauen mögen die Gartenmärkte mehr. Dabei, wie auch bei Lebensmitteln, wird auch immer gerne was mitgebracht. Um hier nicht ständig Geld bezahlen zu müssen, haben wir eine gemeinsame Excel-Tabelle, in die jeder verauslagte Kosten eintragen kann. Am Anfang haben wir das sehr genau gemacht, mittlerweile trage ich nur noch wirklich hohe Kosten ein. Lebensmittel für 20 Euro oder so sind es nicht wert, das wird sich schon wieder ausgleichen. Auch diese Praxis hat sich im Laufe der Jahre so eingeschlichen. Wir freuen uns so über unsere Gemeinschaft, dass wir gerne für das Zusammenleben unseren Teil beisteuern. Ob das ein leckeres Essen, die Notfallabholung in der Schule, wenn es einem Kind nicht gut geht oder das Gießen der Gärten ist. Es gibt keinen Plan, wann wer was macht und es gibt auch kein Aufrechnen, wer wieviel wann gemacht hat.

Manchmal braucht es auch ein bisschen Klärung, aber die haben wir bisher schnell gefunden. Als mein Mann eingezogen ist, hat er schon von zuhause gearbeitet und das auch noch wenig. Da war viel Zeit, um die Kinder abzuholen oder ihnen was zu essen zu machen. Er hatte Sorge, dass er jetzt für die ganze Kinderbetreuung der berufstätigen Eltern zuständig ist. Es war schnell allen klar, wir dürfen ihn nicht zu sehr verplanen. Aber ich weiß auch, er würde im Notfall nie ein Kind hängen lassen. Dazu liebt er sie viel zu sehr. Außerdem hat sich das Thema immer mehr von ganz alleine erledigt. Die Kinder sind größer und bewältigen zunehmend ihre Wege

Wir schätzen unsere Gemeinschaft sehr. Sicherlich ist sie mit ein Hauptgrund, warum wir weder an auswandern, noch an einen anderen Lebensort denken. Wir könnten nicht alle mitnehmen.

 

For all the english speaking folks. Sorry, I post in German. But I´ll give you a short summary on my life in a great community. First of all, I did not plan it. But at times of my university studies I did dream of a community. A community very close to the manner, in which I´m now living. In reality it all started by my wish to become a hobby-gardener. I looked for a house with a garden. And found a nice garden town with town houses build in the 20th of the last century. I bought the first house on my own and moved in alone. Soon, other people followed. Friends of mine bought the neighbor house, I met my husband and he moved in. Right now, we are six adults and three kids living in three houses and sharing one big garden. There are even more people around, but we consider us as the family, the rest are friends. Especially in the summer, we do a lot of things together. We even spend vacations together, we barbecue (for sure), we play games, we do water-fights, when it´s hot enough. We have some arrangements, to make life easy, but basically our community works with just a few rules. Actually I would´t even call them rules. Its more the urge to help each other and to make our lives as comfortable as it can be. 

 

 

 

 

3 Kommentare

  1. So eine Geschichte wie deine habe ich vorher nicht gehört. Für mich fast unvorstellbar, dass fremde Menschen so zu einer Familie zusammenwachsen können. Klingt auf jeden Fall nach einer schönen Gemeinschaft und ich drücke die Daumen, dass ihr euer kleines Paradies so auch beibehalten könnt.

    Für mich wäre es kritisch, inwiefern man gewisse Leistungen als selbstverständlich ansehen kann. Vermutlich hätte ich irgendwann automatisch auch gewisse Erwartungen an meine „Familienmitglieder“. Z.B. würde ich mir von meinen Kindern gewisse Hilfe im Alter erwarten. Ich habe nun 3x mal mitbekommen, wie es als selbstverständlich angesehen wurde, dass die Oma alles macht (Kinder hüten, finanziell aushelfen, Chauffeur spielen), dann aber dann nur mit Widerwillen mal eine Glühbirne gewechselt oder den Rasen gemäht bekommt. Wobei man mit einer ausgesuchten Familie ggf. besser dran sein kann als mit der Blutsverwandtschaft..

    • Interessant. Als Robert meinte, ich solle bitte unbedingt was schreiben, habe ich für mich gedacht: Warum? Wir leben doch eine ganz normale, schöne Nachbarschaft. Und so fühlt sich das auch an. Normal. Als ich dann ein bisschen unser Zusammenleben reflektiert habe, ist mir auch gekommen, dass vieles schon auch sehr besonders ist. Und es funktioniert gut, ich hatte in den letzten 12 Jahren nie das Gefühl ausgenutzt zu werden. Eher im Gegenteil. Wir mussten alle am Anfang lernen, dass wir die Anderen bitten dürfen und diese einfach so helfen. Für mich waren da so Einstiegserlebnisse, beispielsweise hat mein Nachbar, gleich nachdem sie eingezogen waren, eine Küchenerweiterung bei mir gebaut. Im Sommer drauf haben sein Bruder und er erst mein Gartenhäuschen aufgestellt und dann das eigene. Er hat es freudig so dargestellt, dass er bei meinem Haus dann erstmal üben kann. Aber sie stand dann eben beide. Und ich habe sie dann auch beide gleich gestrichen, das war mein Bedürfnis, was zurückzugeben. Ich hab großes Vertrauen, dass unsere Gemeinschaft weiter so bestehen wird.

      • Naja, so grob drüber geschaut, kann man sagen,dass Ex-Studentin von ihrer Erfahrung ausgeht und Monika von ihrer Vision…die dann auch wahr geworden ist 🙂

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