Das ist genau mein Buch, dachte ich, als ich neulich in der Buchhandlung stand: Ich bin raus – Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung von Robert Wringham. 

Nun, drei Tage später habe ich es zu Ende gelesen und bin um einige Erkenntnisse klüger. Die wesentliche Aussage des Buches besteht in zwei Thesen: Man muss nicht immer arbeiten. Und man muss nicht alles kaufen. Lässt man beides bleiben, kann man sehr gut leben.

Dabei muss man sich allerdings von vielen, vielen Glaubenssätzen unserer Welt lösen. Natürlich dem protestantischen Gedankengang, dass wir arbeiten, um Gott zu gefallen und im Himmel einen besseren Platz zu bekommen. Tatsächlich sitzt wahrscheinlich niemand heute mehr am Schreibtisch und beantwortet seine Mails mit der Hoffnung auf ein besseres Dasein nach dem Tod. Aber das sind die Wurzeln. Spannend. Vor Martin Luther galt Arbeit übrigens als Fluch und wurde so weit es möglich war, delegiert. Das ist übrigens auch die Erkenntnis von Menschen, die kurz vorm Tod berichten, was sie in ihrem Leben anders machen würden: Weniger arbeiten, mehr Familie, mehr Zeit mit anderen Menschen.

Nach der Lektüre zum Konsum war ich selbst im Bioladen sehr kritisch, was ich wirklich brauche. Der Bioladen war in den letzten drei Tage übrigens das einzige Geschäft, in dem ich war. Zu anderem Konsum wäre ich gar nicht fähig gewesen, so eindringlich beschreibt der Autor die Idioti unseres Konsums. Sein Plädoyer: Man kann ohne abhängige Beschäftigung und ohne Konsum sehr gut leben.

Das macht uns der Autor vor, indem er vorrechnet, wie er von 500 € im Monat lebt. Allerdings erklärt er nicht ganz genau, wie er diese 500 € verdient. Man kann vermuten, dass dies als Autor und als zeitweiliger Bibliothekar realisiert wird, aber genau habe ich es nicht rausgelesen. Und das ist auch der Teil, der mir am meisten im Buch gefehlt hat. Wenn ich auch in vielen Bereichen sehr minimalistisch leben kann, so entstehen doch immer wieder Kosten. Die mögen nicht hoch sein, aber sie sind da. Hier hätte ich mir mehr konkrete Antworten gewünscht, wie ich beispielsweise diese Kosten ermittle und wie ich diese dann decke. Ja, ich habe das für mich schon rausgefunden. Aber ich glaube, dass viele Menschen dieses Buch dann doch beiseite legen, weil eben diese zentralen Antworten fehlen.

Zusammenfassend viele gute Gedanken zum Thema Arbeit und Konsum. Schräg, gegen den Strich und damit sehr anregend zu lesen. Rechenaufgaben und ein bisschen Aussagen zu passiven Einkommen fehlen mir, aber natürlich gibt es dazu auch viele anderen Quellen. Außerdem bleibt noch zu sagen, dass der ehemalige Comedian Wringham sein Buch sehr unterhaltsam aufgebaut hat. Es lässt sich leicht lesen, ich war die ganze Zeit gut unterhalten.

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Marie

Ist schon lustig, hier in einem eurem Blog kann man beobachten, wie viel Mindset “angeboren” zu sein scheint…dieses Buch müßte eigentlich Sabine-Nah am Dispo lesen, aber es liest Monika, die sich selbst in ihrem Buch als ewiges Sparbrötchen bezeichnet und eigtl noch nie Probleme mit Konsumverzicht hatte :)))

Marie

Hi Monika,
ich meinte das jetzt nicht in Bezug auf den Ausstieg aus der Arbeit, sondern auf den Konsumverzicht 🙂 Man kann ja schon viel weniger arbeiten oder mehr sparen, um später weniger zu arbeiten, wenn man weniger konsumiert…
Danke für den Link.

Sabine - nah am Dispo

Hi Monika,

das stimmt, ich bewundere und beneide Dich, dass Du so entspannt leben kannst, wie Du jetzt lebst. Aber es für mich selber vorzustellen, dass ist weit weg. Eher unvorstellbar. Trotzdem freue ich mich, wenn Du mir das Buch mal ausleihst.

Einen schönen Tag wünscht Sabine

Annabella

hi Monika,
werd ich mir wohl mal auf meinen Kindle runterladen, auf englisch bisschen billiger…die Idiotie des Konsums ist offensichtlich, da geb ich dem Buchautor schonmal völlig recht.
das hier hab ich gerade gefunden,
Greta Taubert, Im Club der Zeitmillionäre
http://www.spiegel.de/panorama/leute/im-club-der-zeitmillionaere-so-lebt-es-sich-mit-sehr-sehr-viel-zeit-a-1112269.html

PIBE350

Danke für den Buchtipp. Habe gerade mit dem Lesen begonnen. Für 14 Euro macht man bestimmt nichts falsch. 🙂

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