Ich lass mich nicht gerne einladen

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Heute berichte ich von einer Seite, die ich in den letzten Wochen entdeckt habe. Ich kannte sie vorher nicht so genau, vielleicht habe ich es einfach auch nie so bewusst erlebt und mir dazu kritisch Gedanken gemacht. Sorry, das ich in letzter Zeit wenig geschrieben habe.  Es gab zum Thema Geld eigentlich auch nicht viel zu sagen. Ich habe mein finanzielles Leben immer besser im Griff, bin sehr stolz, dass ich mir eine kleine Notfallreserve aufgebaut habe und kann auch bestätigen, dass diese sehr viel Stress aus meinem Leben genommen hat. Aber das ist heute nicht das Thema, nur eine Erklärung für mein Schweigen.

Ich habe kurz vor Weihnachten einen Mann kennengelernt. Der mir gefiel und Jubel, dem ich gefalle. Natürlich waren wir zunächst viel unterwegs, in Restaurants, in Konzerten und im Kino. Ganz am Anfang hat noch jeder für sich bezahlt, ich glaube, die ersten zwei Male. Dann hat er übernommen. Und ich fand das super komisch. Besonders in der Zeit, in der noch nicht ganz klar war, wo wir hinsteuern. Mein Impuls war immer selbst bezahlen zu wollen. Zumindest für mich. Eigentlich war ich ganz froh, als wir näher zusammen waren und uns dann auch öfter bekocht haben. Bei uns zu Hause. Da war es dann kein Thema mehr. Natürlich lasse ich mich gerne bekochen und natürlich freue ich mich, wenn er dafür spezielle Sachen eingekauft hat. Das habe ich umgekehrt auch gemacht. Aber ich habe mich schon gefragt, wo meine Ablehnung herkommt, eingeladen zu werden. Irgendwann habe ich mit ihm auch darüber gesprochen und er hat mich auch gefragt, wie das denn bei meinen Eltern war. Er konnte sich gut an seine erinnern und die Arbeitsteilung, dass selbstverständlich immer sein Vater für die Rechnungen aufgekommen ist. Puh, meiner auch. Und ich glaube, mich hat das immer ein bisschen gestört. Zumal meine Mutter uns immer angehalten hat, uns mit ihr bei ihm zu bedanken. Warum sie? Ich meine, dass wir Kinder uns bedanken, ist ja vielleicht okay. Aber meine Mutter? Immerhin hat sie doch genauso dazu beigetragen, dass unsere Familie gut leben kann. Und wenn ich ehrlich bin, ich fand es auch albern, dass wir Kinder uns bedanken sollten. Wir waren doch eine Familie. Aber war das der Grund für mein Unbehagen?

Da gibt es noch eine weitere Facette. Ich war und bin stolz, dass ich mein Leben so gut in den Griff bekommen habe. Finanziell meine ich. Ich bin selbstständig und kann mich zwar nicht auf hohem Niveau, aber seriös selbst finanzieren. Gut, an meiner Altersvorsorge könnte ich noch was machen. Aber der Alltag funktioniert immerhin gut. Ich finde, darauf darf ich stolz sein. Und jetzt kommt ein lieber Mensch, der mit mir Zeit verbringen will und der tut das auf einem anderen Niveau. Natürlich gehen wir nicht beim Döner-Mann essen. Wir gehen in schöne Restaurants. Ich finde das toll, aber ich weiß auch, dass ich da nicht mithalten kann. Das bereitet mir Unbehagen. Obwohl ich weiß, das er gerade alles tun würde, um mit mir Zeit zu verbringen. Und ich darüber sehr, sehr glücklich bin.

Ich schreibe das, weil ich mir hoffe, ein paar andere Sichtweisen zu erfahren. Habe ich einen Knall? Sollte ich mich einfach entspannen? Oder geht das Euch auch so?

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich superglücklich bin und sicherlich den tollsten Mann da draussen kennengelernt habe (natürlich wird er diesen Artikel lesen (-; )

 

 

3 Kommentare

  1. Das ist ein sensibles Thema und für viele Paare verwirrend geworden. Du musst folgendes beachten: Männer wollen sich nach wie vor ritterlich und als „Versorger“ fühlen, auch wenn sie die Emanzipation mitgemacht haben und auch wissen, dass du dich selbst versorgen kannst und so weiter. Die wenigsten leben noch im Mittelalter und wollen dich ganz abhängig machen 😉 Also erst einmal keine Angst und vergiss deine Vergangenheit! Deine Eltern haben da nichts schönes vorgelebt, aber du bist jetzt bewußt und mächtig genug, dass für dich neu zu leben.
    So. Außerdem bist du eine tolle Frau, die Geschenke in Form von Essenseinladungen auch einfach annehmen kann. Ohne dass daraus eine Abhängigkeit oder eine Gegenleistung heraus entsteht! Dazu hat niemand ein Recht, wegen etwas Geld oder Essen, etwas einzufordener. Mach dir das klar. Geschenke kann man auch einfach so annehmen.
    So, jetzt nochmal zum Versorgerthema: Matthew Hussey hat das so schön ausgedrückt: A man wants to provide – at least something for the woman he loves. Das heißt nicht, den Totalversorger für dich zu spielen. Aber eben dir dein Leben angenehmen zu machen. In diesem Fall in Form von Essengehen. Und in einer festen Beziehung natürlich auch durch andere Dinge, in dem er für dich da ist, wenn du Sorgen hast usw. Was du jetzt tun kannst: Wenn er Essen gehen möchte, sagst du: Ja gern, aber ich kann mir dieses Restaurant gerade nicht leisten. Wenn das ok für dich ist, komme ich mit. Oder wenn es schon selbstverständlich ist, dass er einlädt, dann beteilige dich, in dem du den Nachtisch, oder den Espresso oder das Trinkgeld beisteuerst. Dadurch zeigst du, dass du seine Einladung zu schätzen weißt, dass du auch etwas beisteuerst, dass ihr ein Team seid. Aber eben in dem Maße, in dem du das finanziell kannst.
    So, alles etwas durcheinander, aber ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen geben. Mach dir nicht so einen Kopp. Ich finde es eigtl ziemlich schlimm, dass Frauen auf diese Gesten inzwischen so allergisch reagieren, anstatt sie einfach als Wertschätzung anzunehmen. Wie gesagt, damit sind keine Gegenleistungen verbunden. Und wenn man diese kleinen Gesten am Anfang schon abschlägt, hat man hinterher einen Mann, der dann gar nichts mehr für die Frau tut und die sich dann auch wieder darüber ärgert (also ich ;)) Let it flow und viel Glück weiterhin. Klingt nach nem guten Typen!

  2. Liebe Sabine,

    Marie hat dir das Dilemma der modernen Frauen und Männer schon sehr schön erklärt. Dein Mann möchte dich verwöhnen weil du ihm wichtig bist. Und du musst nichts anderes tun, als die Zeit mit ihm zu genießen. Das ist für ihn schon so eine wundervolle Belohnung, dass er dich immer wieder gerne einlädt. Und je mehr du genießt umso mehr hat er den Wunsch dich zu verwöhnen.

    Bedanken im Sinne deiner Eltern als Versorger, musst du dich nicht bei deinem Traumprinzen. Ich bedanke mich aber gerne bei meinem Partner, der eben auch gerne zahlt obwohl wir auch in finanzieller Hinsicht eine Partnerschaft auf Augenhöhe habe, für die schöne Zeit die wir hatten und /oder für das tolle Gespräch.

    Menschen verdienen nun mal unterschiedlich und manchmal trifft die Verkäuferin den Millionär, oder der Handwerker die Oberstudienrätin. Soll sich nun der Besserverdienende immer nach unten orientieren? Burger bei Mc Doof statt schickem Italiener, Mehrbettzimmer im Hostel statt Hotel? Dann wäre die Liebe wohl schnell vorbei. Aus Sicht des vermögenderen Partners ist es viel angenehmer dem/der Liebsten einfach die schönen Sachen die tolle Zeit zu schenken und gemeinsam zu genießen.

    Du bedankst dich dann an einem anderen Tag mit einem Picknick, einer Radtour, einem Mondschein Spaziergang oder einem Frühstück im Bett….. Gerade als Frau kann man dem Partner mit Kreativität und einigen verrückten, überraschenden Ideen so viel bieten, was man mit Geld eigentlich nicht aufwiegen kann.

    Sei du kreativ und lass ihn zahlen, denn es macht Männer wirklich glücklich.

    Und lerne dich zu bedanken, auch das macht Männer sehr, sehr glücklich.

    Wir führen eine sehr moderne Beziehung, wir arbeiten viel und teilen uns die Hausarbeit. Mein Partner macht Dinge die ich hasse, und ich bedanke mich da immer so gerne bei ihm. Ihn spornt mein kleiner Dank und der liebevolle Kuss an, mir immer wieder den Gefallen zu tun und die Spülmaschine auszuräumen oder die Wäsche zu waschen, staubzusaugen…. wenn ich alle diese kleinen Gefallen als selbstverständlich annehmen würde, würde er bestimmt ganz schnell damit aufhören. Und wir beide hätten so schnell hast du es nicht gesehen eine null-acht-fünfzehn Beziehung wie viele Paare.

    Take care,

    June

    Die deinen Typen schon dufte findet, weil er keine Angst vor einer starken Frau hat.

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