Haushaltsbudget für finanziell freie Menschen

Für viele Menschen ist mein heutiges Thema keine Herausforderung. Für mich schon. Die Steigerung einzelner Budgetausgaben. Das will ich gerne erläutern. Ich bin ein Sparbrötchen, durch und durch. Diese Fähigkeit hat mir zum Teil die frühe finanzielle Freiheit beschert. Seit ich mein erstes Taschengeld bezogen habe, freue ich mich, wenn ich mindestens einen Teil davon sparen kann. Seit knapp 5 Jahren habe ich nun genug Geld. Und damit ist es Zeit eine langjährige Gewohnheit aufzubrechen. Zur Maximierung des Glücks. Denn das finde ich, ist ein Ziel des Lebens. Ein möglichst glückliches Leben zu führen. Ein gewisses Maß an Glück lässt sich auch mit Geld kaufen. Aber ich finde, es ist gar nicht so einfach, selbst herauszufinden, welche Dinge tatsächlich zu meinem gefühlten Glück beitragen. Viele Dinge sollen laut Werbung zu meinem Glück beitragen, halten dieses Versprechen für mich aber gar nicht. Sozusagen erschwerend kommt noch hinzu, dass ich ein ökologisch eingestellter Mensch bin, der bei vielen Konsumentscheidungen auch die andere Seite der Medaille sieht und dann aus diesen Erwägungen von einem Besitz oder einer Nutzung gerne absieht. So habe ich zwar vor ein paar Jahren der Anschaffung eines Autos zugestimmt, aber es wurde ein gebrauchter Golf. Das reicht für mich völlig. So, nun will ich diesen Post aber nicht nutzen, um zu schreiben, was ich mir nach wie vor nicht kaufe, sondern mal die Lebensbereiche beleuchten, bei denen mehr Glück, meist durch Komfort, in unser Leben eingezogen ist:

BahnCard First

Die Bahn hat das geschickt gemacht, erst hat sie mir immer mal eine Probe BahnCard First zugeschickt, dann habe ich mich auch noch bei diesen Bahnpunkten für sechs 1. Klasse Upgrades entschieden und dann war ich soweit, unsere BahnCards auf First umzustellen und nun meistens 1. Klasse Fahrkarten zu buchen. Ich geniesse den Luxus, in Ruhe und mit ausreichend Platz zu reisen. In Sachen Mobilität hat sich hier also was geändert, ich schaue auch häufiger nach Businessflügen und das Budget für Taxifahrten hat sich auch erhöht. Das Glück kommt hier tatsächlich aus mehr Bequemlichkeit.

Besser essen gehen

Aus Gewohnheit schaue ich bei der Speisekarte immer auf den Preis. Blöde Angewohnheit. Dann hätte ich Lust auf irgendwas teures und entscheide mich doch lieber für die Spaghetti. Ich gebe zu, hier befinde ich mich noch in einem echten Lernprozess. Wir waren neulich in einem Steakhouse in Budapest. Dort gab es Kobe-Rind (die glücklichen Viecher aus Japan). Das Gericht für 150 €! Nein, keine Angst, ich habe das nicht bestellt. Es wurde was moderates für 22 €, was aber auch lecker war. Aber ich habe danach darüber nachgedacht, ob ich es in meinem Leben mal an den Punkt schaffe, sowas zu bestellen. Es würde mir finanziell nicht weh tun, aber ich würde dennoch viele Grenzen überschreiten. Und ob es dann so viel besser wäre. Das interessiert mich irgendwie tatsächlich.

Im Alltag überschreite ich die Grenze gerne, wenn ich Biofleisch bekomme. Und sonst mache ich zunehmend die Erfahrung, dass teures Essen auch besser schmeckt. Sorry, dass ich dafür 50 Jahre in meinem Leben gebraucht habe, so sind Sparbrötchen, sie freuen sich eher über die günstige Rechnung. Neue teurere Restaurants auszusuchen sind tatsächlich eine echte Herausforderung. Der stelle ich mich aktuell. Deshalb gibt es in unserem Haushaltsbuch ein Budget, was ich gerne jeden Monat ausreizen will und wo wir bei Nicht-Erreichung richtig aktiv werden. Als wirklich besonderen Spaß habe ich dabei entdeckt, meine Mentee (eine Schülerin, die ich seit Jahren betreue), nach einem Konzert von ihr mit ihren Freundinnen zum Essen einzuladen. Für die jungen Damen aus nicht so gutem Hause war das eher neu, meine Mentee war stolz und glücklich und das alles hat mir ganz viel Freude bereitet.

Ausmisten und neu kaufen

Ich möchte nicht mehr Kram in unserer Wohnung haben. Ich mag es, wenn es übersichtlich bleibt. Und ich erreiche dieses Ziel nur manchmal. Aber immer wenn ich beispielsweise neue Kleidung kaufe, denke ich erst an meinen vollen Kleiderschrank und kaufe das neue Teil dann oft doch nicht. Dennoch verändert sich was. Ich komme aus einer Familie in der viel geflickt und aufgetragen wurde. Es ist für mich neu, einen Pulli mit vielen Wollmäusen anzuschauen und zu sagen, der geht jetzt in die Sozialstation. Weil ich nicht mit Wollmäusen rumlaufen will. Und wenn ich dann meinen Kleiderschrank mit diesem Blick ausgemistet habe, dann kaufe ich mir auch gerne was Neues. Viele Leserinnen werden jetzt denken, dass ist doch ganz normal. Für mich nicht. Ich habe viele Sachen aufgetragen, gleich gebraucht gekauft und dann nochmal lange behalten. Das ist nämlich ziemlich sparsam. Jetzt übe ich mich, da mehr locker zu lassen.

Andere an meinem Glück teilhaben lassen

Geld mit anderen zu teilen ist nicht immer ganz einfach, weil wir in unserer Gesellschaft immer so nach Gegenleistung schielen. Ich bin auch nicht immer gut darin. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass mein Mann am glücklichsten ist, wenn er nicht arbeitet. Jetzt geht er keiner Erwerbsarbeit mehr nach, ich schon. Obwohl ich das Vermögen aufgebaut habe. Aber er ist glücklich, wenn er sich um den Haushalt kümmert und ich arbeite gerne. Warum sollten wir es anders lösen? Weil es ganz viele andere Menschen komisch finden?

Im letzten Jahr gab es in meinem Lieblingsgeschäft eine finanzielle Schieflage. Also habe ich Geld geliehen, eigentlich nur um die Schieflage zu überbrücken. Statt vereinbarter Rückzahlung bekam ich irgendwann Post vom Insolvenzverwalter. Natürlich habe ich das nicht toll gefunden! Und ich habe auch ein bisschen dran geknabbert, bis für mich der Gedankengang hilfreich wurde, dass ich versucht habe zu helfen und diese Hilfe nicht für die Rettung des Ladens gereicht hat, aber wenigstens ein Versuch war. Und auch wenn es für andere eine vermeintlich hohe Summe war, so beträgt sie bei mir weniger als 1% meines Vermögens. Also habe ich mit dieser etwas fehlgeleiteten Unterstützung auch meinen Frieden gemacht und fühle mich inzwischen ganz okay damit.

Natürlich spende ich auch gerne und einiges. Ich warte gespannt darauf, dass Robert in Ghana ein Fußballstar wird und einem syrischen Freund helfe ich gerne, seine Familie in Damaskus über Wasser zu halten. Mein Leben fühlt sich glücklicher an, wenn ich zu den Projekten oder direkt Menschen auch Kontakt habe und weiß, was meine Hilfe bewirken kann.

Trotzdem erlebe ich uns als genügsam

Jenseits dieser Veränderungen würde ich unsere Ausgabenstruktur immer noch mit genügsam bezeichnen. Und das finde ich gut so. Ich glaube nicht, dass sich unser Glück steigern würde, wenn wir mehr konsumieren würden. Wir kaufen das, was wir brauchen. Meistens auch verbrauchen. Gestern bei Saturn habe ich tolle Kopfhörer aufgehabt. Guter Sound und alles rundherum war super leise. Toll! Aber ich habe sofort darüber nachgedacht, wann ich sie brauchen könnte. In der 1. Klasse ist es eh still, Flugreisen kommen echt nicht oft genug vor und hier zu Hause ist es auch meist leise. Eine tolle Erfindung, die ich nicht brauche. Solche Gedankengänge habe ich bei vielen Produkten. Genauso wie ich auch sehr gerne gut und schön essen gehe, aber meine Lieblingsimbissbude dann auch wieder gerne aufsuche. Ich finde, zum Glück gehört Abwechslung und Flexibilität. Und eben Genügsamkeit, um dann das Besondere auch wirklich wertzuschätzen.

 

3 Kommentare

  1. Hallo Monika,

    danke für den Beitrag, der mal ganz wohltuend um das „gönnen können“ geht. Ich werfe auch ungern Dinge weg, aber es ist ja auch schön, wenn man sich hin und wieder an etwas neuem erfreuen kann.

    Ich fahre übrigens auch viel Zug, längere Fahrten auch erster Klasse und möchte meine Noise Cancelling – Kopfhörer (Bose) auf gar keinen Fall missen! Man muss nur aufpassen, dass man keine Durchsagen verpasst 😉

  2. Liebe Monika,
    schön, wie du das beschreibst, als Sparbrötchen die anderen Facetten von Geld zu entdecken und sie nach und nach zuzulassen und zu genießen, ohne das Geld gleich zum Fenster raus zu haun. 🙂
    Ich bin kein Sparbrötchen, spare aber auch gern. Liebe Luxus, hochwertiges Essen und bin durch meinen ersten Beruf – Industrieschneiderin und Näherin – sensibilisiert für hochwertige Stoffe. Oder eben billige.
    Bewundernswert finde ich dein entspanntes Verhalten gegenüber deinem Mann. Und sein Glücklich sein, wenn er zuhause für euch arbeitet. So einen Mann kenne ich, glaube ich, gar nicht.
    Danke für’s Teilen deiner Gedanken!

  3. Ich finde es gut wie du mit der „Fehlinvestition“ zur Rettung eines Unternehmens umgehst. Gerade das mit Verlusten umgehen können, sollte jedem Investor vom ersten Tag an beigebracht werden, klasse!

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