Geld bedeutet Sicherheit

Heute möchte ich gerne wieder anhand eines Coachingbeispiels deutlich machen, wie wir mit Geld umgehen und was Geld für Bedeutungen hat. Heute geht es um die Sicherheit, die Geld vielen Menschen verspricht.

Wenn man fragt, was Geld für Menschen ist oder darstellt, dann muss man nicht lange warten, bis das Wort Sicherheit fällt. Geld wird sehr viel das Potential von Sicherheit zugeschrieben. Es ist sozusagen eine der häufigsten Projektionen, die Geld trifft. Zu Recht oder zu Unrecht, das mag ich hier gar nicht diskutieren. Viel spannender finde ich, was eine Projektion mit dem eigenen inneren Gefühl macht. Es schwächt dieses. In dem Augenblick also, wo ich dem Geld die Fähigkeit zuschreibe, dass es mich sicher macht, erlebe ich ein kleines Stückchen weniger meine eigene innere Sicherheit. Sie wandert Schritt für Schritt aus mir heraus und verlagert sich auf meine neue Projektionsfläche Geld. 

Iris konnte in einem Coaching damit total viel anfangen. Ihre brennendste Frage war, ob ihr Geld im Alter reichen würde. Sie ist selbständig und dementsprechend nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Sicherheit war für sie die größte Funktion, die sie Geld zuschrieb. Mit meiner Erklärung, dass damit ihre eigene Sicherheit immer kleiner werden würde, konnte sie sehr viel anfangen. Sie schilderte dies so: „Das ging etwa mit 35 los. Ich war finanziell so erfolgreich, dass ich Geld für die Altersvorsorge beiseite legen konnte. Und ich war mir schnell klar, dass ich das alleine regeln will. Auch weil so viele befreundete Selbständige mir Horrorgeschichten von Lebensversicherungen erzählt haben, bei denen eher die Beraterinnen an der Provision verdient haben. Ich habe mich also mit Seminaren und vielen Büchern schlau gemacht, wie ich das am besten mache. Dabei habe ich jedes Mal auch immer wieder hochgerechnet, wie viel Geld ich im Alter brauche und wie es mir eben am besten Sicherheit gibt. Ich war, wenn ich zurückblicke, eine ganze Zeit lang total fixiert auf die beste Strategie um sicher ins Alter gehen zu können. Und wenn ich das jetzt rückwirkend betrachte, dann habe ich das auch mit den Jahrzehnten munter gesteigert. Es musste immer mehr Sicherheit sein. Also mehr Geld. Zunächst habe ich einfach gerechnet, dass ich wahrscheinlich mit dem Geld, was ich heute habe, gut leben kann. Vielleicht würde sogar 20% weniger reichen, weil mein Leben nicht mehr so aktiv wäre. Diesen Abschlag habe ich dann, kaum war ein bisschen Geld angespart und gut investiert als erstes gekappt. Mit 41 hatte ich dann einen richtig guten Auftrag und habe einige Jahre sehr gut Geld verdient. Es war deutlich mehr übrig als sonst. Statt es zu geniessen – dass fällt mir eh schwer – habe ich mir wieder Gedanken zum Alter gemacht. Diesmal war eine Großtante nach Jahren im Pflegeheim verstorben. Mein Vater erzählte mir, dass ihr gesamtes Vermögen durch das Pflegeheim aufgebraucht worden war, es fiel eine Summe von 600.000 €. Ich war fasziniert und erschreckt. Das ganze Extraeinkommen floss dann wieder in meine Investments, weil ich plötzlich dachte, ich brauche viel, viel mehr im Alter. Und in den letzten 5 Jahren habe ich mir immer wieder mal Gedanken zur Inflation gemacht und zu meinen gesteigerten Lebenshaltungskosten. Schon habe ich wieder meine Vermögensübersicht aktualisiert und gerechnet, ob auch mit einem höheren Lebensstandard mein Geld im Alter reichen wird. Ich fürchte, dass ist ein echter Teufelskreis geworden.“ 

Nach dieser Geschichte war es mir zunächst wichtig, Iris in eine entspannte Stimmung zu bringen. Raus aus diesem Hamsterrad der Geldgeschichte und des Erzählens. Rein in ihre Gefühle und ihr Körpergefühl. Mit der ruhigen Bitte, ihren Verstand jetzt mal auf einen Spaziergang nach draußen zu schicken, gespickt mit ruhigen Körperbewegungen und etwas Atemarbeit konnte sie sich immer mehr aus ihrem Geldstrudel verabschieden und mehr in ihrem Gefühl ankommen. Zunächst erschöpft, kein Wunder bei dieser Geschichte. 

Was löst der Satz: Ich bin sicher, mit und ohne Geld bei Dir aus? 

Zunächst Erstaunen und ich glaube, der Part mit dem ohne Geld etwas Panik. 

Wie wäre es, einfach mal nur für Dein Gefühl, glauben zu können, dass Du ohne Geld sicher wärest? 

Da stellt sich ganz viel Entspannung ein. 

Was sagt Dein Körper? 

Der wird viel weicher. Meine Brust weitet sich und im Bauch wird alles ruhiger. 

Geniesse das mal einen Augenblick! 

Aber ich bin doch nicht sicher ohne Geld. 

Willkommen Verstand, war der Spaziergang schön? Magst Du nochmal rausgehen? 

Ich finde, Angst ist schon ein Gefühl und das drängt bei all der Entspannung schon nach oben. 

Kennst Du diese Angst? 

Oh ja, das habe ich schon als Kind erlebt. Da war es immer knapp und meine Eltern haben immer mal wieder signalisiert, dass wir nicht genug Geld haben, um dieses oder jenes zu machen. Um nicht zu sagen, meine Eltern haben – soweit ich zurückdenken kann – immer in Panik gelebt, ob es reichen wird – ich schätze, diese Panik sitzt mir noch in den Knochen. 

Verständlich, dass Du heute versuchst, möglichst viel Geld zu horten, damit Du Dich sicher fühlen kannst. Meinst Du, es gibt beispielsweise bei der Rente einen bestimmten Betrag, ab dem Du Dich dann gut versorgt fühlst? 

Wenn ich mir das jetzt über die letzten Jahre anschaue, dann fürchte ich nein. Mir werden immer neue Risikofaktoren einfallen, die dazu führen, dass ich lieber noch ein bisschen mehr Geld auf die Seite lege. Es fühlt sich an wie ein Hamsterrad, vielleicht sogar wie ein Teufelskreis. 

Nebenbei im off erwähnt, damit ist Iris nicht alleine. Wenn Sicherheit der Motor ist, um Geld zu sparen, dann wird mit jedem Moment der inneren Unsicherheit nochmals mehr Geld gespart. Das geht ganz vielen Menschen so. 

Hast Du eine Idee, wie Du aus dem Hamsterrad raushüpfen könntest? 

Das hast Du ja eben schon angetestet. Mich darin zu üben, mich auch ohne Geld sicher zu fühlen. 

Mit Geld kannst Du Dich auch sicher fühlen, wichtig ist, die Verknüpfung Geld gleich Sicherheit zu kappen. Hast Du Ideen, wie Du das am besten in Dein Leben, in Dein Bewusstsein einsickern lassen kannst? 

Nicht mehr so oft auf meine Zahlen schauen? Ich glaube, das würde schon helfen. Aber ich müsste wahrscheinlich auch an meinen Bildern arbeiten, wie ein Leben ohne Geld aussehen würde. Das fühlt sich gerade eher sehr bedrohlich an. 

Erzähl mir mehr, wie sähe Dein Leben ohne Geld aus? 

Na ja, ich würde unter der Brücke schlafen und müsste betteln gehen. 

Ist das wirklich realistisch? Warum gleich so radikal? Lass uns mal ein wahrscheinliches Szenario bauen. Und zwar für das Alter, oder? 

Ja, okay. Da mischen sich schon sehr eingeübte Ängste, die wenig mit mir zu tun haben. Bis ich in Rente gehe, werde ich meine Wohnung abbezahlt haben. Klar, sie wird dann noch Kosten verursachen wie Hausgeld und Reparaturen, aber selbst wenn ich das nicht mehr bestreiten könnte, könnte ich die Wohnung vermieten und mir mit den Mieteinnahmen eine kleinere Wohnung suchen. Das würde schon gehen. Meine Lebenshaltungskosten könnte ich wahrscheinlich auch ganz gut runterschrauben und würde trotzdem noch leben. 

Hast Du eine Idee, ob Du auch nach dem Rentenalter noch arbeiten könntest? 

Ja, das stimmt. Das ginge wahrscheinlich auch noch. Ich schätze bis 70 oder 75 könnte ich gut noch an ein paar Tagen einer Tätigkeit nachgehen, wenn dies sein muss. Um nicht zu sagen, eine Tante von mir arbeitet noch und man hat den Eindruck, dass diese Aufgabe sie auch noch gut fit hält. Ist also vielleicht gar nicht so schlimm. Nur wenn ich hochaltrig werde, was mache ich dann ohne Geld? 

Hast Du Ideen? 

Na ja, dann muss ich vielleicht in ein Pflegeheim und kann die Kosten nicht tragen. Ich habe auch keine Kinder, die sich dann um mich kümmern könnten. Da ist schon viel Angst, dass ich dann hilflos in einem schäbigen Pflegeheim liege. 

Das kann Dir aber auch mit Geld passieren, oder? 

Ja, das stimmt. Eigentlich muss ich eher darauf achten, dass ich die Bindung zu meinen drei Nichten so aufrecht erhalte und vielleicht auch schauen, dass ich im hohen Alter eher bei denen in der Nähe bin, damit die darauf achten können, dass es mir gut geht. Und wenn die es nicht machen, dann muss ich mir frühzeitig jüngere Menschen anlachen, die das übernehmen. Das fühlt sich zwar bezahlt besser an, aber hat auch das größere Risiko, dass man dann ausgenommen wird. Von daher ist es vielleicht sogar eine Chance, wenn es eher um mich als Menschen geht und weniger um mich als reiche Erbtante. 

Nach den ganzen Gedanken und Gefühlen, wie fühlt sich jetzt der Satz an: Ich bin sicher, mit und ohne Geld?

Viel freier. Meine Sicherheit hat wahrscheinlich viel weniger mit meinem Geld zu tun als ich bisher dachte. Das Leben ist weiter, da kann auf anderen Baustellen was passieren. Sicherheit ist nie da oder immer. Denn sie ist einfach relativ. Und ich habe im Leben auch schon oft bewiesen, dass ich mit unsicheren Situationen gut umgehen kann. Dabei hat Geld wahrscheinlich immer eine ganz kleine Rolle gespielt, auch wenn ich ihm eine größere Rolle zugeschrieben habe. Ich werde daran in Zukunft arbeiten. Danke Gisela.

Wenn Du auch an solchen Projektionen arbeiten willst, dann komm ins Coaching, wahlweise in einer Jahresgruppe oder in Form von Einzelcoachingprogrammen. Ich freue mich, Deine Verknüpfungen zu hinterfragen und Dich freier zu machen!

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