Kennst Du das? Freundinnen wollen von Dir eine Dienstleistung oder Dein Produkt kaufen und fragen nach einem Freundschaftspreis. Darauf möchte ich hier gerne kurz eingehen, weil mir dies immer wieder in Coachings kommt.

Meine erste paradoxe Antwort ist immer: Ein Freundschaftspreis ist selbstverständlich höher als ein Angebot für einen neuen Kunden. Du stutzt? Warum? Wir haben es mit einer Freundschaft zu tun und hoffentlich sieht Deine Freundin auch Dich. In Deinen Bemühungen Geld zu verdienen und sich in Deinem Markt zu etablieren. Wenn sie Dich sieht und vielleicht ja auch mitbekommt, dass es nicht einfach ist, sich auf einem Markt zu behaupten, dann sollte sie auch bereit sein, Dich besonders zu unterstützen, in dem sie einen hohen Preis bezahlt.

Startest Du mit diesem Gedankengang, werden die sparsamen Freundinnen schnell wegbleiben. Also zumindest, wenn es darum geht, mit Dir Geschäfte zu machen. Und das ist gut so. Die Freundschaft darf ja gerne bleiben, aber sie muss sich nicht darauf ausweiten, dass Du noch die Wohnung der Freundin gestaltest, ihre Webseite baust, Deinen Wein günstiger verkaufst oder was auch immer Du ihr aus Deiner professionellen Sicht Gutes tun könntest. Du kannst etwas schenken, so wie Du dies auch machen würdest, wenn Du in den Laden gehst und für jemanden ein Geschenk kaufst. Aber suche Dir Deine Kunden woanders.

Eine schwierige Aussage für Menschen, die neu starten. Neue Kunden sind ja noch gar nicht in Sicht. Und bisher haben Deine Freunde Deine Angebote – die Du vielleicht vorher immer schon so nebenbei angeboten hast – immer sehr gerne in Anspruch genommen. Nun bist Du selbständig und willst von Deinen Angeboten leben. Freundinnen haben es aber bisher immer geschenkt oder für eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen. Wenn Du nun aus der Not und mit aller Freundlichkeit versuchst, die Freundin hochzuhandeln, wird das möglicherweise auf ungewohnte Widerstände stossen. Weil die Botschaft bei der Freundin anders ankommt. Sie hat bisher von der Freundschaft auf diese oder jene Art profitiert (und hoffentlich profitierst Du auch von der Freundschaft auf einer anderen Ebene im Ausgleich) und jetzt soll sie plötzlich für die Freundschaft bezahlen. Das fühlt sich wie eine echte Zurückweisung an und deshalb fürchten wir uns davor, es überhaupt anzusprechen. Oder machen gleich den niedrigen Freundschaftspreis – um eben in der Freundschaft zu bleiben.

So menschlich dieses Vorgehen ist, so schädlich ist es, wenn Du versuchst ein tragfähiges Business aufzubauen. Wie wäre es, wenn Du stattdessen ganz sauber trennst? Als Freundin bekommt sie weiterhin ein ganz kleines Häppchen Deiner Arbeit zu bestimmten Anlässen geschenkt. Aber Du versuchst gar nicht erst, mit ihr wirklich zusammenzuarbeiten. Du suchst Dir neue Kunden. Will sie dennoch mehr – dann behandle sie wie eine neue Kundin. Auch in Deiner innerlichen Haltung! In Deiner Art, wie Du verhandelst. Mit der Option zusammen zu kommen, wenn es für beide Seiten passt oder eben auch nicht.

Wenn doch aber die Freunde am Anfang die Menschen sind, auf die Du voll gebaut hast? Die Dich unterstützen wollen bei der Gründung?

Kein Problem. Da gibt es jenseits der unterbezahlten “Freundschaftsaufträge” noch so viel mehr, was gute Freundinnen für Dich tun können: Sie können Dich empfehlen, bei allen ihren Freunden, in ihren Netzwerken und auf ihrer Arbeit. Sie können Dir Testimonials geben und sie können Dir helfen mit allem was sie können. Und wenn das dann richtig viel ist und dabei richtig was für Dich rumgekommen ist, dann kannst Du auch wieder helfen. Aber in einem guten Austausch, der Dich in Deinen ernsthaften Bemühungen ein Business auf die Beine zu stellen, sieht und unterstützt!

Wie hältst Du es mit Freundschaftspreisen? Ich freu mich davon zu hören. Ich selber habe übrigens in dieser Hinsicht auch Lehrgeld bezahlt und es hat sich inzwischen so eingestellt, dass Freunde mich zu meinen normalen Preisen beauftragen und wir dann supergut zusammenarbeiten können. Dann gibt es da manchmal noch die Freundin, die Flugangst hat oder irgendwas zu Geldanlagen wissen will. Da mache ich dann mal vor einem geplanten Abendessen eine WingWave Session mit ihr für die Flugangst oder wir unterhalten uns halt beim Essen über Anlagen. Einfach weil ich mich freue, ihr zu helfen. Und das kostet dann gar nichts. Damit vermische ich nicht die Geldebene und die Freundschaftsebene.

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Pia Kopp

liebe Gisela, das Thema passt grad’ prima … zu dem, was ich dabei bin für mich zu klären.
Eine Freundin mit der ich früher mal zu einem ermässigten Preis gearbeitet hatte (was sich damals nicht wirklich gut anfühlte) bat mich vor einigen Wochen um Unterstützung bei ihren Schulterproblemen. Sie wolle gerne, dass ich mit ihr arbeite, wolle auch bezahlen – mehr als eine halbe Stunde könne sie sich jedoch nicht leisten, meinte sie (wir hatten dabei noch gar nicht über den aktuellen Preis gesprochen).
Ich schlug ein vorheriges Gespräch über die Behandlungsumstände vor und bot ihr an 2-3 mal kostenlos mit ihr zu arbeiten – vielleicht würde ihr das schon weiterhelfen .. oder sie komme dann mit ihrer Physiotherapeutin oder sonstiger Therapie weiter – oder sie entscheide, regulär weiter mit mir arbeiten zu wollen. Die Behandlung zum Vornherein zeitlich auf eine halbe Stunde zu begrenzen, scheine mir nicht sinnvoll, bzw. entspreche nicht dem, was ich möchte, da es mir wichtig ist, wenn ich arbeite, effektiv zu arbeiten.
Es zeigte sich, dass sich das viel besser anfühlt, als wie ich es vor einigen Jahren gehandhabt hatte !
Lieber verschenke ich, als zu einem Niedrig Preis – und zu von Anderen vorgegeben Konditionen- zu arbeiten, das ist mir inzwischen auch kar geworden 🙂
herzlichen Gruß Pia

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