Der Privatier hat zu einer Blogparade aufgerufen: Freiheit oder Langeweile? Was bedeutet finanzielle Freiheit? Logisch, dass ich da mit meinen Erfahrungen und Gedanken nicht zurückhalten werde.

Für mich bedeutet dies eindeutig Freiheit

Das habe ich schon mit 18 so empfunden. Da ging es darum einen Ausbildungsplatz zu finden. Ich konnte den Zwängen und Erwartungen an mich nicht viel abgewinnen. Ich weiß noch, dass ich gerne Reiseverkehrskauffrau geworden wäre. Es hat mich fast ein bisschen empört, dass ich da auch Samstags rangemusst hätte. Die Wochenenden waren reserviert für Umweltengagement.

Also habe ich damals schon nach Lösungen gesucht. Eine mögliche Lösung war Geld zu sparen. Und auszurechnen, wie viel ich sparen muss, damit ich von den Zinserträgen leben kann. Mit 6% Tagesgeldzinsen kam ich drauf, dass dies mit 40 zu schaffen sein müsste. Es hat ein bisschen länger gedauert, aber mit 45 war es dann soweit. Die genaue Geschichte habe ich aufgeschrieben, dazu gehe ich hier jetzt mal nicht näher ein. Stattdessen werfe ich lieber den Blick auf die letzten drei Jahre.

Es war und ist für mich ein Prozess, mich in der finanziellen Freiheit einzufinden, bzw. das richtige Mass an Arbeit zu finden. Der erste Schritt – ich bin Freiberuflerin – war es, zu schauen, welche Kunden und Arbeiten mir wenig Spaß machen. Die habe ich inzwischen alle verabschiedet. Interessanterweise haben sich dann aber immer noch viele spannende Projekte eingestellt. Die letzten zwei Jahre habe ich immer noch viel gearbeitet und auch noch recht gut verdient. Anfang diesen Jahres habe ich mich dann mal gefragt, welche Tätigkeiten und Projekte ich machen würde, wenn ich dafür kein Geld bekommen würde. Es war ein bisschen ernüchternd. So wichtig war es mir dann doch nicht, dass ich irgendwas einfach so tun würde. Aber was würde ich denn einfach so tun?

Wird mich das langfristig erfüllen?

Bei dieser Frage ist mir irgendwann aufgegangen, dass sie für mich nicht hilfreich sondern eher kontraproduktiv ist. Die Frage impliziert nämlich, dass ich, was immer ich jetzt ausprobiere, dies auch langfristig tun muss. Stimmt ja gar nicht. Hat aber eben eine Weile gedauert, bis ich das geschnallt habe. Seitdem ich diese Hemmschwelle erkannt und aufgelöst habe, geht vieles einfacher. Ich arbeite dieses Jahr deutlich weniger. Zumindest wenn es um bezahlte Projekte geht. Ich mach mehr Yoga für mich und gebe weniger Kurse. Ich berate weniger Unternehmen und bei den wenigen, die ich berate, finde ich es plötzlich toll. (Es sind wirklich sehr wenige). Ich arbeite viel im Garten, habe gestern Unmengen an Apfelmus eingemacht und frage mich aktuell, was ich mit den vielen Zucchinis mache. Ich schreibe gerne, ob im Blog und an Buchprojekten, egal. Der Umgang mit Sprache und das Mitteilen von Gedanken und Erfahrungen bereitet mir große Freude. Ich dachte, ich würde viel mehr reisen. Aber auch hier durfte ich schon lernen, dass unbegrenzt reisen gar nicht so reizvoll ist.

Musse statt Langeweile

Mein Leben ist damit ruhiger geworden. Ich habe Zeit, über Dinge nachzudenken, einfach mal auf der Terrasse zu sitzen oder in Ruhe mit meinem Mann Diskurse zu führen. Aufgrund einer Krankheitsphase meines Mannes macht dieser regelmässig Mittags eine Pause. Mittlerweile finde auch ich Gefallen an diesem Mittagsschlaf. Ich erlebe diese Phasen des Nichtstuns aber nie langweilig, eher als großen Luxus. Und manchmal verbunden mit schlechtem Gewissen, weil man doch immer was tun muss. Muss man? Ich glaube nicht mehr. Aber ich weiß, dass ich hier noch viele Vorstellungen meiner Eltern, Großeltern und vieler anderer Menschen mit mir rumtrage. Hier darf sich bei mir noch mehr Gelassenheit einstellen. Ich darf gedanklich mich noch mehr vom Vorwurf trennen, ich würde mein Leben vergammeln. Mit der Erfahrung des Müssiggangs kommen auch neue Gedanken auf. Vielleicht sind gute Gedanken und neue Ideen nur so möglich? Ich hab auf jeden Fall immer reichlich Ideen, wenn ich mir die Zeit nehme, keine finden zu wollen.

Ob ich mein aktuelles Leben bis zur Rente interessant finde?

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich mein Leben ja auch wieder verändern kann. Ich kann neue Projekte an Land ziehen. Ich kann wieder aktiv neue Kunden einwerben. Ich kann neue Yogakurse starten. Im Augenblick ist es ohne dies alles schön. In die Zukunft kann ich nicht schauen.

Eingetreten ist auf jeden Fall das gewünschte Freiheitsgefühl. Das ich all das nicht machen muss, um meine Brötchen zu verdienen. Und das ist supertoll!

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fitandfoodworld

schöne Gedanken, toller Artikel, sehr inspirierend – vielen Dank 🙂

Anne

Liebe Monika,

erst mal danke für Deine Antwort beim Privatier. So schlau wie du war ich leider lange Zeit nicht, ich habe im Grunde erst vor rund 15 Jahren angefangen, mich aktiv mit der Vermehrung meines Geldes zu beschäftigen, vorher habe ich gespart und wusste von nichts! Dann aber habe ich direkt losgelegt und könnte von meinem Geld, das ich nun habe schon leben, aber es ich müsste schon einige Abstriche machen. Also arbeite ich noch weiter und ich mache mir viele Gedanken um das, was ich tun würde, wenn ich nicht mehr morgens aus dem Haus ginge. Das fängt schon mit der Erwartungshaltung von Verwandten an, die dann meinen, man habe ja nun reichlich Zeit für sie. Im Grunde habe ich schon die Sorge, das ich auf der einen Seite vereinnamt werde und mich auf der anderen Seite nach einiger Zeit langweile. Jetzt im Sommer ist das alles super, aber was ist im November, wenn alle um mich herum zur Arbeit gehen? Luxusprobleme oder die Vorboten einer Antifreizeitphobie? Na klasse, da bin ich ja auf die Arzt-Diagnose gespannt…

Anne

Hallo Monika,

danke für Deinen Tipp, leider (naja, aber auch gut wegen der Bezahlung) bin ich in einem großen Industrieunternehmen beschäftigt und das wissen natürlich alle. Ich wollte nun nicht anfangen, mit der Aktentasche auf der Parkbank zu sitzen und alle denken, ich bin in der Firma. Spaß beiseite, ich weiß natürlich, wie Du es meinst. Eigentlich unterhalte ich mich mit niemandem darüber, denn in meinem Bekanntenkreis reden zwar alle gerne über die Rente, aber nicht, wie man da etwas abkürzen kann und daher schweige ich da. Mein Mann kennt das alles, aber für den lege ich sein Geld ja auch an, damit er selber frei entscheiden kann. Ich denke, das bei einigen – gerade bei den jüngeren – Finanzbloggern hier eine etwas verschwommene Paradiesvorstellung existiert und das niemand die Jahrzehnte lange Konditionierung durch Schule und Umfeld, usw. berücksichtigt. Die heißt, das man bis zur Rente arbeitet, alles andere ist dubios. Du siehst es ja an Dir selber, das Du eine Art Doppelleben führst, weil Du ja ahnst, wie das aufgenommen würde. Klar kann man sich durchdiskutieren, aber das macht müde!

Viele Grüße von Anne

Finanzleiter

Hallo Monika,

Gerade diese Konditionierung von unseren Umfeldern gilt es zu durchbrechen. Personen, welche die finanzielle Freiheit anstreben oder sie schon erreicht haben, sind die Rebellen der heutigen Zeit. Dabei ist es oft nicht leicht den Weg zu gehen und dem persönlichen Umfeld davon zu erzählen. Doch wie ein Sprichwort so schön sagt:

„Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt.“

François Truffaut

Damit habe ich es auch meinem Umfeld erklärt. Das ich nach mehr strebe als ein einfacher Arbeitnehmer zu sein!

Liebe Grüße
Florian

Jürgen Nawatzki

Hallo,

für mich bedeutet finanziell frei zu sein auf keinen Fall, nicht mehr zu arbeiten, sondern die Arbeit zu machen, die ich liebe und zu der ich mich berufen fühle.

Kennst du das Gefühl, im Flow zu sein und die Zeit und alles andere um dich herum zu vergessen?

Ein tolles Gefühl!

Ich lebe als Finanzblogger und Internetunternehmer meine Berufung und fühle mich sehr frei.

Auch wenn ich weiter darauf angewiesen bin, Geld zu verdienen.

Aber eben auf die Art, die ich liebe.

Mit Schreiben.

Für alle, die jeden Morgen und Abend eine Stunde im Stau stehen:

Mein Arbeitsweg vom Bett zum Schreibtisch beträgt 50 cm. 🙂

Herzliche Grüße

Jürgen

klunkerchen

Hallo Jürgen,

das sehen wir auch so. Flow ist was Feines und das Arbeitsleben kritisch zu hinterfragen, hilft einfach im Leben da zu sein, wo man wirklich sein will.

Viele Grüße
Monika

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