Neukölln 045

Viele erwachsene Menschen handeln in meinen Augen in finanzieller Hinsicht nicht erwachsen.  Im Gegenteil, ich entdecke immer wieder Menschen, die sich, was das Geld angeht, wie Kinder oder vielleicht noch gerade wie Jugendliche verhalten. Wenige übernehmen selber die volle Verantwortung, so wie man das von erwachsenen Menschen sonst im Leben eigentlich erwarten müsste.

Wie sich die unterschiedlichen Altersstufen unterscheiden? 

Da haben wir erstmal die Kinder. Als kleines Kind übernimmt man für wenig selbst Verantwortung. Vielleicht gibt es das erste Taschengeld, mit dem man ein bisschen mit Geld üben kann. Aber ansonsten lebt man von der Hand in den Mund. Über Geschenke wird sich gefreut und es wird auch gleich in Verwendung genommen.

Wenn wir hier den Arbeitgeber als die Eltern nehmen, dann zahlt dieser das Taschengeld, es wird ausgegeben und ist am Ende des Monats nicht mehr da. Wenn man mehr braucht, was aus selbstverständlich fremdgesteuerten Dingen (wie überraschenderweise die Miete) verursacht wird, dann muss man halt Schulden machen. Nein, da kann das Kind nichts dafür. In diesem Alter kann man noch nicht erwarten, dass ein Weitblick möglich ist. Natürlich sind immer die Anderen schuld, wenn man dann wieder kein Geld hat. Um sich zu orientieren, vergleichen sich Kinder natürlich sehr untereinander. Was der Andere hat, braucht man auch. Ob der neue Legobaukasten oder das neue Auto, Unterschiede lassen sich da nur schwer ausmachen.

Natürlich gibt es für Kinder auch das Sparschwein. Manche sind dabei auch sehr erfolgreich. Sie erkennen, dass sie sich größere Dinge leisten können, wenn sie eine Weile sparen. Heißt, manchen Kindern ist schon vertraut, dass sie für ein Konsumgut Geld sparen können. Aber das war´s dann auch schon. Für die Ausbildung (im erwachsenen Fall, die Rente) sind die Eltern (der Arbeitgeber/die Rentenkasse) zuständig. Wie die das machen, ist dem Kind egal. Die werden das schon richten. Und wenn sie es nicht so gut machen, dann haben die versagt. Das Kind ist ja noch gar nicht in der Lage selbst Verantwortung zu übernehmen.

Die kritische Pubertät

In dieser Analogie sind Jugendliche schon ein bisschen kritischer. Sie hinterfragen, was die Eltern da so machen und meckern schon mal, dass das mit der Geldanlage für die Rente hinten und vorne nicht reichen wird. Beschweren ist toll, Schuld sind die Anderen und die sollen bitte auch was ändern. Selbst verantwortlich aktiv zu werden, geht maximal für eine kurze Zeit. Da wird dann mal zur Bank gegangen und kurz gefragt, was man denn machen könnte. Kommt dabei eine suboptimale Beratung raus, haben wir wieder einen Schuldigen, den wir beschimpfen können. Tief in sich drinnen, vertrauen Jugendliche schon noch, dass es die Eltern irgendwie regeln werden, dass sie selbst noch nicht die endgültige Verantwortung haben. Ja, dass sie gar nicht in der Lage sind, selbst den Überblick zu behalten, sich regelmässig schlau zu machen und für die entsprechenden Entscheidungen dann gerade zu stehen. Das Leben ist doch jetzt viel spannender und sich über die Zukunft Gedanken zu machen, das ist völlig uncool.

Werdet finanziell erwachsen!

Für mich sind Menschen finanziell erwachsen, wenn sie für ihr Geld, ihre Investitionen und ihre finanzielle Zukunft die Verantwortung  übernehmen. Natürlich überblicken wir nicht alles. Dies können wir auch in anderen Bereichen nicht immer gewährleisten. Erwachsen heißt für mich, sich kundig zu machen, aus der Vielfalt die zu diesem Zeitpunkt richtige Entscheidung zu fällen und dann zu dieser zu stehen. Dabei halten erwachsene Menschen es auch aus, wenn die Dinge nicht so laufen, wie man sich das vorgestellt hat. Und es ist auch dann wieder eine eigene Entscheidung, ob man bei dem gewählten Weg bleibt, oder ob man diesen korrigiert.

Erwachsene Menschen sind günstigstenfalls sogar in der Lage über den Tellerrand hinauszublicken. Bei Investitionen heißt das, auch zu schauen, was das Geld in der jeweiligen Investition bewirkt. So wie man vielleicht kein Tropenholz kauft, so kann es eben auch eine Entscheidung sein, bestimmte Aktien nicht zu erwerben.

Ich weiß, es ist anstrengend, finanziell erwachsen zu sein. Es bedeutet, sich nicht mehr auf das zu verlassen, was Andere sagen. Es bedeutet, eigene Entscheidungen zu treffen und Ratschläge zu hinterfragen. Es bedeutet auch, für die selbst getroffenen Entscheidungen gerade zu stehen. Wenn ich mich nicht traue, Geld zu investieren sondern es eben nur auf meinem Sparbuch liegen lasse, dann ist das eine Entscheidung. Eine aktive Entscheidung. Niemand anderes ist daran Schuld, wenn später andere über mehr Geld verfügen. Sie haben anders entschieden und waren damit möglicherweise erfolgreicher. Das kann auch anders herum sein. Aber es waren eben aktive Entscheidungen und niemand ist böse über einen gekommen.

 

 

 

 

 

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