Die Angst vor dem Verlust

Obwohl man mit Investments große Gewinne einfahren kann, ist die Angst vor Verlusten bei vielen Menschen viel größer. Wenn Du zu diesen Menschen gehörst, dann ist dieser Artikel genau richtig für Dich. Einen weiteren Artikel werde ich auch noch mal für Menschen schreiben, die dazu tendieren, zu sehr auf die Gewinnmöglichkeiten zu schauen. Hier ist nicht Angst der Treiber sondern Gier. Die kann dann schnell die Überhand gewinnen. Auch nicht gut. Aber darum geht es nicht, wir schauen uns heute die Angst, konkret Deine Angst und Deinen Umgang damit, an. 

Angst ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Sie hat eine durchaus positive Absicht, meistens versucht sie uns vor gefährlichen Veränderungen zu bewahren. Bisher läuft unser Leben doch gut, warum sollte man etwas verändern. Die Angst tritt also immer auf den Plan, wenn wir Veränderungen vornehmen. Wenn sie sich nicht als Angst zu erkennen gibt, dann eben als Widerstand, Schweinehund oder in Form von Zweifeln. Alles astreine Gegner von Veränderung und eben große Fans von dem was gerade ist. Sie sehen die Vorteile im Status quo und betrachten bei Veränderungen nur die Risiken, nie die Chancen. Dabei machen sie die Risiken emotional riesengroß.

Dies ist der erste Schritt anzusetzen. Wie groß ist das Risiko wirklich?

Nehmen wir an, Du willst Geld in einen Aktien-Sparplan investieren. Der Sparplan basiert in unserem Fall auf dem weltweiten Aktienhandel und Du investierst monatlich 200 €, das sind etwa 10% Deines Einkommens. Was kann Dir schlimmstenfalls passieren? Es kann zu einem super Crash führen. Dann wäre möglicherweise 60 bis 80% Deines Geldes kurzfristig weg. Das wäre höchstens ein großes Problem für die ersten 2.000 €, die Du im ersten Jahr eingezahlt hast und die bisher noch keine Zuwächse erwirtschaftet haben. Selbst das nicht wirklich: Denn wenn Du mit einem ausreichend langen Horizont Deine Investments betreiben willst, dann wirst Du diese Verluste auch wieder wettmachen, weil Du bei den darauffolgenden Investments Deine Aktien ja zunächst erstmal deutlich günstiger einkaufst. Selbst wenn nach 5 Jahren ein Crash passiert, verlierst Du maximal 5% Deines monatlichen Einkommens. Behaupte ich gerade mal. So aus dem Bauch raus. Überschlagen nach dem Motto, Du hast 5 Jahre lang Rendite kassiert und wenn der Aktienmarkt tatsächlich um 60% in die Knie gehen würde – das bedeutet eine richtig fette Weltwirtschaftskrise – dann ist durch die vorherigen Gewinne höchstens 50% weg, macht die Hälfte Deiner ursprünglichen Investments aus. Ganz davon abgesehen, dass Du in der Situation noch ganz andere Probleme hättest.

Genauso kannst Du Deine Ängste mal an die Wand malen, wenn es um den Erwerb von Immobilien geht. Bei meinem ersten Kauf hatte ich Panik vom Feinsten. Ich durfte sie mir auch bei einem Freund ausmalen: Wenn das Haus abbrennt? Dann gehst Du mit dem Koffer zur Versicherung und holst Geld ab. Wenn die Mieter nicht zahlen? Dann musst Du sie halt rausklagen. Kostet Geld und ist nervig, aber verkraftbar. Wenn die Mieter nicht renovieren? Ähnlich, Du musst es einklagen und erstmal selbst renovieren. Wenn im Keller Schwamm ist? Das ist blöd und ein Risiko, aber für wie wahrscheinlich hältst Du es? Die spannende Frage nach den Chancen der Wertsteigerung habe ich in diesem Augenblick nicht sehen können. Heute – ein paar Jahre nach dem Kauf – kann ich sagen, keins der Risiken ist eingetreten, dafür hat sich der Wert der Immobilie fast verdoppelt. Heute sage ich, was für eine geile Entscheidung. Zum Zeitpunkt des Kaufes musste ich durch die Angst. Mit allen Details und in 3D – zumindest in meinem Kopf. 

Was kann die Angst abmildern?

Ganz klar Geldbildung. Je mehr Du weißt, was Du tust, desto mehr kannst Du Risiken abschätzen und deren Wahrscheinlichkeit einschätzen. Dazu gehören die Grundsätze, nicht alle Eier in einen Korb zu legen und zu wissen, dass die Höhe der Rendite mit dem Risiko meistens ansteigt. Außerdem ist sicherlich der Grundsatz gut, in nichts zu investieren, was man nicht selbst versteht.

Fehler werden passieren und das ist gut so

Neben der Geldbildung ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, dass es bei Investments auch zu Fehlern kommen wird. Mit echten Verlusten. Die auch wirklich erst wirken, wenn sie in real gemacht wurden und nicht virtuell auf irgendeinem Musterdepot. Finde zumindest ich. Fehlschläge werden dazugehören und wir haben meistens den Eindruck, dass sie gleich am Anfang passieren. Das geht ganz vielen so. Tatsächlich glaube ich, dass wir auch später immer mal wieder Verluste einfahren. Aber wir nehmen sie gelassener wahr. Bei den ersten Fehleinschätzungen, die uns einige 100 € kosten, ist das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, riesengroß. Später, wenn auch schon Gewinne realisiert wurden, fällt ein schlechter Deal einfach nicht mehr so ins Gewicht. Dazu kommt sicherlich auch, dass die schlechten Deals mit steigender Erfahrung weniger werden.

Nichts tun ist auch eine Lösung

Natürlich kannst Du der Angst auch nachgeben. Das ist immer eine Option. Weniger Veränderung, lieber bewährtes weiterleben. Dann bleibt Dein Geld sicher auf dem Tagesgeldkonto. Sicher heißt auch, es wird sicherlich weniger werden. Durch die Inflation wird die Kaufkraft sinken. Natürlich kannst Du es auch gleich ausgeben, dann stellt sich das Problem nicht. Jede Handlung hat Auswirkungen. In dem Fall ist es weniger Kapital, weniger Möglichkeiten in anderen Phasen Deines Lebens. Klar geht das. Nur sei nicht neidisch auf die, die dann später mehr haben. Weil sie sich irgendwann ihrer Angst gestellt haben. Ihre Schritte durch die Angst und der damit verbundene Erfolg wird oft als Glück abgetan. Sie hatten Glück, Du nicht. Das stimmt nicht. Sie haben sich für einen anderen Weg entschieden und sich ihrer Angst gestellt. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Gibt es nicht auch noch einen sicheren Weg?

Die Sehnsucht der Deutschen. Deshalb habe ich Allianz-Aktien im Depot. Die verkaufen Sicherheit und die ist nach wie vor gefragt. Mit diesem Sicherheitsbedürfnis wird die Allianz mit ihren Produkten Gewinne einfahren und an diesen partizipiere ich gerne als kleine Miteigentümerin. Wir wollen immer alles ganz sicher. Dabei blenden wir aus, dass diese Sicherheit Geld kosten wird. Keiner garantiert Dir Sicherheit mit einer großen Rendite. In Kombination mit anderen Geldanlagen sind sichere Anlagen kein Fehler. Als einzige Lösung für Deine Angst schon. Deshalb sei einfach mißtrauisch, wenn Dir Menschen eine topsichere Geldanlage empfehlen. Die gibt es aktuell nicht und wenn sie als solche verkauft wird, kannst Du sicher sein, dass es sehr, sehr, sehr wenig Wertentwicklung gibt, Du aber sicherlich einiges an Provisionen loswirst, für den, der Dir da Sicherheit verkauft.

Schritt für Schritt ist alles nicht so schlimm

Spür mal rein, was Dein innerer Angstmanager sagt, wenn ich Dir rate, alles Geld in eine spekulative Aktie zu investieren? Er flippt wahrscheinlich aus. Nun spür mal rein, wenn ich Dir rate 200 € auf ein Tagesgeldkonto zu schieben? Stille? Dein Angstmanager macht Urlaub? Wie unruhig wird er, wenn Du für 50 € einen passiven Fonds kaufst? Es lohnt sich für ihn nicht aktiv zu werden, sowas geht doch auch schon für ein gutes Abendessen drauf?

Wann immer Du den (kleinen) Schritt erreicht hast, bei dem Dein Angstmanager weiterhin ruhig bleibt, weil er es nicht als Bedrohung ansieht, gehe genau diesen Schritt. Und es wird Dich sicherlich nicht überraschen, dass selbst Dein Angstmanager mit der Zeit mutiger wird. Wahlweise hangelt Ihr Euch gemeinsam in langsamen Schritten in die höheren Sphären des Investments oder Du forderst von Zeit zu Zeit Deinen Angstmanager ein bisschen heraus, die Sicherheitszone kurzfristig zu verlassen.

Ich wünsche Dir spannende Entwicklungen und mutig, passende Schritte. Wenn Du in Aktien langsam und mit Bedacht einsteigen willst, dann empfehle ich Dir meinen Aktienkurs. Dort gehen wir in kleinen Schritten vor, mir ist es bloss wichtig, dass Du am Ende wirklich aktiv wirst und tatsächlich Deine erste Aktie kaufst!

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