Dein Ikigei

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Letztes Wochenende habe ich im Haus der Weltkulturen in Frankfurt die Ausstellung „Grey is the new pink“ angeschaut. Es geht ums alt werden, ums Altern und um unsere Sicht darauf.  Ein Saal war gefüllt mit Portraits von über 100 Jährigen. Großflächige Bilder und jeweils ein Zitat von Ihnen. Ich war sehr beeindruckt. Ein Fotograf hat sie nicht bettlägerig und pflegebedürftig dargestellt, sondern irgendwie mitten im prallen Leben. Natürlich gab es auch Texte zu den Bildern – auch ein wunderbares Buch ist aus den Portraits entstanden.

Aus einem Text an der Wand habe ich eine Weisheit mitgenommen, die mich seitdem sehr beschäftigt. Was die Hochaltrigen aktiven Menschen anscheinend alle vereint ist Ikigei. Dieses Wort ist japanisch und dort gibt es auf bestimmten Inseln sehr viele über 100jährigen. Es steht für: „Das, wofür Du morgens aufstehst!“. Die Gemeinsamkeit, die hochaltrige Menschen zu vereinen scheint, liegen weder in einem bestimmten Fisch, den sie essen, noch in einem Wein begründet, sondern in einem Sinn, weswegen sie morgens aufstehen.

Ich habe mich dann gefragt, was ist eigentlich mein Ikigei? Für was stehe ich morgens auf. Mir wurde plötzlich klar, dass alle meine Schwierigkeiten, die ich in den letzten sechs Jahren in finanzieller Freiheit hatte, immer damit zu tun hatten, dass ich mein neues Ikigei definieren musste und dabei zwischendurch durch eine Leere gegangen bin. Zumindest ich habe lange Zeit meinen Sinn damit begründet, dass ich für Geld arbeite. Natürlich auch, um das Unternehmen, bei dem ich angestellt war, weiterzubringen. Selbständig und nicht finanziell frei habe ich zunächst alles, was kam, angenommen, zumindest wenn es machbar und auch irgendwie interessant war. Aber es war auch immer ein bisschen beliebig. Nachdem ich dann meine finanzielle Freiheit realisiert habe, habe ich mich schrittweise von Auftraggebern getrennt. Im nächsten Schritt habe ich mich für neue Dinge interessiert, habe eine Yogalehrerausbildung gemacht und nur noch wenige Aufträge angenommen. Zwischendurch habe ich mich mal einen Sommer nur auf meinen Garten konzentriert. Dabei musste ich feststellen, dass taugt bei mir nicht langfristig zum Ikigei. Es ist schön in der Erde zu buddeln, hat aber nicht die Energie, die ich für mein Ikigei brauche. Vielleicht, weil mein Ikigei mit anderen Menschen zu tun hat. Mit Austausch, mit gemeinsamer Entwicklung. Mein Ikigei wird sich wahrscheinlich auch noch lange verändern, einfach weil Veränderung und besonders Weiterentwicklung für mich spannend ist.

Wenn Du planst, finanziell frei zu werden, dann frage Dich jetzt schon, was ist dann Dein Ikigei? Was wird Dir die Energie geben, jeden Morgen aufzustehen. Ich habe ja Kontakt zu vielen anderen Menschen, die finanziell frei sind und von einigen weiß ich, dass das ein Thema ist. Denn der Traum vom vielen Reisen und das wunderbare Leben am Strand enthält halt erstmal noch nicht viel Ikigei. Zumindest, wenn die erste Neugier nach neuen Eindrücken gestillt ist. Wobei das sicherlich unterschiedlich ist, aber ich habe mit Interesse bei mir und auch bei Anderen beobachtet, dass die Freude am unbegrenzten Reisen doch relativ schnell nachlässt. Danach stellt sich dann die Frage, was nun. Was lässt die jetzt motiviert jeden Morgen aufstehen`

Die Frage nach dem eigenen Ikigei ist natürlich auch angesagt für alle Anderen. Ist Dein Ikigei nur, dass Du Geld verdienst oder gibt es da mehr, für das Du morgens gerne aufstehst? Was könnte es noch sein? Zentral finde ich es tatsächlich für alle Menschen, die wann auch immer in Rente gehen. Ich beobachte viele alte Menschen, die deutlich weniger krank sind und viel schneller gesund werden, weil sie eine Aufgabe haben. Weil sie für andere Menschen zuständig sind oder sonst einer wichtigen Aufgabe nachgehen. Umgekehrt finde ich es immer sehr tragisch und gleichzeitig hochinteressant, wenn Menschen nach einem sehr erfüllten Job in den wohlverdienten Ruhestand gehen und dann sehr schnell versterben. Ich denke, dass dies mit einem überstarken Ikigei am Berufsleben lag, der jetzt plötzlich komplett fehlt. Ob in der finanziellen Freiheit oder im „normalen“ Ruhestand, der Gedanken, den Wechsel fließend zu gestalten ist sicherlich nicht verkehrt. Von daher finde ich auch die Vorstellung, noch im hohen Alter Yogaunterricht zu geben, wunderbar. Es wird mich fit halten und ich werde in Kontakt mit anderen Menschen sein. Kennst Du Dein Ikigei? Oder hast Du eine Idee, was es idealerweise sein soll? Wird es bis zum Alter halten oder hast Du Ideen der Veränderung? Das interessiert mich sehr. Ich freu mich auf viele Kommentare.

 

1 Kommentar

  1. Als „Middle-Ager“, der schon an der finanziellen Freiheit riecht (Teilzeit-Job, genau so wie die werte Ehefrau), dazu ein hübsches Aktienportfolio an der Seite, habe ich über diese Frage tatsächlich schon desöfteren nach gedacht. Wahrscheinlich würde ich mich meinem „großen Lebensziel“ widmen: Ein echtes Aushängeschild für die FREIHEIT des Individuums zu sein… um damit den ganzen sozialistischen, utopistischen, kollektivistischen und letztlich menschenverachtenden Gesellschaftskleptokraten ihren ganz eigenen Spiegel vorzuhalten.

    Zeitintensive Projekte wie z.B. Free Private Cities (Titus Gebel), Seastading und die Organisation von Konferenzen ständen dann wohl recht hoch im Kurs…

    Beste Grüße
    Patric

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