Ich habe mich entschieden: Ab diesem Jahr werde ich gar nicht mehr arbeiten und frühzeitig in Rente gehen. Das stellt mich vor die neue Herausforderung, statt Investments, die Entnahme von Vermögen zu planen.

Bisher habe ich – trotz finanzieller Freiheit – immer noch gearbeitet. Zwar freiberuflich und gut dosiert, aber es kam immer noch genug rein, um faktisch meine Lebenshaltungskosten dann doch immer wieder aus meinem Einkommen zu decken und nicht aus meinem Vermögen. Das hat mir zwar gefallen, aber in den letzten beiden Coronajahren wurden meine Arbeitsbedingungen echt anstrengend und ich habe jetzt entschieden, dass ich den großen Schritt wage und aufhöre zu arbeiten!

Ihr könnt Euch denken, dass ich vorher viel gerechnet habe, um einen guten Plan zu haben, wie ich diesen Wechsel von Geld ansparen zu Geld ausgeben, am besten gestalte. Viel habe ich dazu von den Amerikanern gelernt, deren Rente viel mehr auf eigenem Kapital basiert und nicht so sehr auf einer wie auch immer gearteten gesetzlichen Rentenversorgung. Da ich deutlich vor dem üblichen Rentenalter in Rente gehe, rechne ich erst später mit einem sehr kleinen Anteil gesetzlicher Rente.

Wie aber mit Kapitaleinkünften umgehen, wie schaffe ich es, genug für meinen Lebensunterhalt zu haben und gleichzeitig nicht zu viel zu entnehmen? Wann kann ich schlecht schlafen, weil gerade die Aktienmärkte in den Keller gehen?

Denken in Geldkörben

Mir gefällt der Gedanken von verschiedenen Geldkörben:

Im ersten Geldkorb liegt das Geld, was ich für die nächsten 3 Jahre brauchen werde. Und zwar abzüglich der sicheren Geldeinnahmen. Bei mir sind das in erster Linie Mieteinnahmen von 1.900 €. Sicherheitshalber ziehe ich 400 € ab, um bei Mietausfällen oder Reparaturen nicht in Stress zu kommen. Also 1.500 €. Zum Leben brauchen wir 3.500 € – heißt wir benötigen noch 2.000 €. Also gehören in den ersten Geldkorb 72.000 €. Das Geld liegt auf einem Tagesgeldkonto und ich habe einen Dauerauftrag eingerichtet, für 2.000 € im Monat auf unser normales Girokonto.

Im zweiten Geldkorb befindet sich das Geld, was ich für darauffolgenden sieben Jahre benötigen werde. Also etwa 168.000 €. Dieses wird in halbwegs sicheren Geldanlagen investiert. Ich rechne damit, dass sie in der Regel schlechter performen, aber eben auch mehr Sicherheit bieten, wie Staatsanleihen, Gold und ETFs auf Immobilien etc.

Im dritten Geldkorb ist alles weitere Geld in ETFs und Aktien investiert. Mit dem Gedanken, dass ich bei einer größeren Korrektur der Aktienmärkte genug Zeit habe, damit sich dieser wieder erholen kann, bevor ich das Geld benötige.

Den ersten Korb werde ich aus den beiden zweiten Körben jeweils pro Quartal wieder auffüllen. Aus welchem Korb ich das Geld entnehme, entscheide ich anhand der aktuellen Marktlage. Stehen Aktien gut, verkaufe ich welche von diesen. Steht Gold oder andere Assets aus Kobr zwei gut,  verkaufe ich dieses. Und geht alles in den Keller, brauche ich erstmal den ersten Korb komplett auf, was mir einen zeitlichen Puffer von drei Jahren gibt.

Wird es insgesamt reichen? 

Ich rechne mit 5% Rendite auf mein Vermögen, aber gleichzeitig sicherheitshalber mit einer Inflation von 3%. Diese Zahl kam erst in den letzten Monaten hinzu, ich möchte aber auch hier nicht nervös werden müssen, also rechne ich lieber konservativ. Und hoffe, dass die 3% auf lange Sicht tatsächlich konservativ ist und ich nicht durch deutlich höhere Zahlen überrascht werde. Allerdings steigt wahrscheinlich auch die Rendite, wenn die Inflation steigt, ich wäre also im investierten Bereich wieder fein raus. Insgesamt bin ich bei einer ähnlichen Summe, wie bereits vor Jahren – damals noch zurückhaltender, was die Rendite angeht, aber noch keine Inflation im Blick.

Ich werde Euch auf dem laufenden halten, wie das mit der Entnahme funktioniert. Denn da ist sicherlich mehr dabei als nur die schnöde Rechnung und Einrichtung von Bankbewegungen. Ich fürchte, die Tatsache, dass mein Vermögen tatsächlich sinkt, wird mir noch ganz schön zu schaffen machen. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

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Achim

Ich bin ein paar Jahre älter als Du, bei Licht besehen schon ziemlich lang finanziell unabhängig, hänge aber an meinem Job und gehe daher brav viermal in der Woche hin.

Wenn Du das mit den Körben gut findest, wenn Dir das Sicherheit bietet, mach das.

Was bei Deinem Vermögen bezüglich dem Entsparen etwas unglücklich ist, sind die Immobilien. Ein ETF-Depot kann man recht kontinuierlich entsparen, deren Stückelung ist klein genug. Immobilien aber sind recht groß gestückelt. Die kann man in der Regel nur am Stück verkaufen. Entsparmodelle amerikanischer Prägung (“umgekehrte Hypothek”) kommen hier in Deutschland nicht so recht auf die Beine, und ich ahne nicht, ob Du die Immobilie(n) als Privatier von einem deutschen Banker nur für Deinen Lebensunterhalt beliehen bekämest.

Wenn Du Dich dereinst mal von diesem Teil Deines Vermögen trennst, hast Du immerhin den Vorteil, daß Dir die Notwendigkeit eines neuen Dachs dann nicht mehr die Rendite verhageln kann.

Sofern Du den Blog von Georg https://www.finanzen-erklaert.de/ noch nicht kennen solltest, sei er Dir hiermit ans Herz gelegt. Georg darf man mit Fug und Recht als Fachmann für Entsparkalkulationen bezeichnen. Mußt ihn ja nicht gleich Deinen Plan rechnen lassen. Wenn Du die Kalkulationen anderer Leute siehst, erkennst Du das dahinterstehende Schema.

Ich nehme an, daß auch Du irgendwann mal so etwas Ähnliches wie eine Rente bekommen wirst. Die reduziert dann den monatlichen Finanzbedarf, weil sie Dir Monat für Monat eine sichere Einnahme bringt (und einen Zuschuß zur Krankenversicherung), und das auch noch cum grano salis inflationsgeschützt. Im Vorgriff: Es lohnt sich aus Sicht eines Privatiers, den Rentenbeginn so weit vorzuziehen wie möglich.

Monika

Hallo Achim, Deine Anmerkung verstehe ich nicht wirklich. Ich gedenke die Immobilien nicht zu verkaufen, zumindest nicht aktuell. Die Entnahmestrategie bezieht sich auf mein Aktien- und Anleihevermögen. Von daher kann ich Deine Anmerkung nicht wirklich nachvollziehen. Aber ich danke Dir für Deinen Kommentar und freue mich, wenn Du die Bedenken nochmal konkretisierst, so ich da was falsch verstanden habe.
Dir selbst wünsche ich einen mutigen Übergang von freiwillig 4 Tage arbeiten in die Rente – wenn das vielleicht auch erst mit 67 passiert. Oder nie, wenn es Spaß macht, kann man ja auch nach der gesetz. Rente weitermachen. Viele Grüße Monika

Achim

> Deine Anmerkung verstehe ich nicht wirklich.

Hallo Monika,

erste und wichtigste Empfehlung: Geh mal auf Georgs Seite und schau Dir dort an, wie er Prognoserechnungen für die erwerbseinkommenslose Zeit aufbaut.

Die erste Phase beträgt 9 Jahre, nämlich von jetzt bis zum Beginn der Rentenzahlung, die Du als Privatière sinnvollerweise so weit vorziehst wie irgend möglich. Ab dann bekommst Du ein festes Zusatzeinkommen nicht ganz unerheblicher Höhe, was Dir erlaubt, die Entnahme aus Deinen Depots zu reduzieren.

Ab diesem Moment kannst Du praktisch neu rechnen.

> Ich gedenke die Immobilien nicht zu verkaufen, zumindest nicht aktuell.

Anderswo hast Du geschrieben: “Spätestens mit 75 will ich die letzte Immobilie verkauft haben.”

Das heißt: etwa in den 10 Jahren nach Renteneintritt willst Du graduell Deine Immobilien verkaufen, um Dich damit von der Arbeit der Verwaltung und der Unsicherheit plötzlicher Ausgaben zu befreien.

Und da stellt sich halt die Frage nach der Stückelung.

> Die Entnahmestrategie bezieht sich auf mein Aktien- und Anleihevermögen.

Du hast die Beträge mal durch die Blume genannt.

Es kann bei entsprechender Börsenentwicklung sein (man betrachtet bei einer solchen Prognose ja sinnvollerweise den worst case), daß dieser Teil des Vermögens nicht weit reicht und Du Dir früher als erhofft die Frage stellen mußt, ob Du Immobilienvermögen versilberst (quasi Dein vierter Topf), um das Börsendepot zu schonen in der Hoffnung auf eine Erholung, oder ob Du am vermuteten Tiefstand Papiere verkaufst.

Eine Entnahmestrategie beziehst sich sinnvollerweise immer auf das Gesamtvermögen.

Daher mein Tip, Dir anzuschauen, wie Georg solche Kalkukationen aufbaut.

Monika

Hi,

ich verstehe nach wie vor Deine Empfehlung nicht. Meinst Du, ich soll jetzt alle Immobilien verkaufen oder was willst Du konkret sagen? Georg stellt genau meine Strategie in einem Beitrag bei ihm vor und kommt nach der von mir beschriebenen Strategie sogar auf eine Entnahmerate von 5,5,%.

Viele Grüße
Monika

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